Im März führt die Lufthansa mit der ChipCard das elektronische Ticket ein. Das Einchecken wird zum "Einchippen", der Flugschein aus Papier wird überflüssig.

Lufthansa-Stammgäste, die im Besitz einer SenatorCard sind, können das Fliegen ohne Ticket als erste ausprobieren. Sie führen ihre mit einem neuen Mikrochip aufgerüstete Karte an einem der 37 Chip-in-Automaten vorbei, die Lufthansa auf allen deutschen Flughäfen installiert. Der Automat druckt dann ein Papier aus, das sowohl Rechnung als auch Bordkarte ist. Die neue Technik kann außerdem automatisch Meilen für das Vielfliegerprogramm "Miles & More" gutschreiben.

Optimistisch spricht die Fluggesellschaft von einer "neuen Mobilität des Reisens". Sie will damit die Abfertigung am Boden beschleunigen, was vor allem von Geschäftsreisenden seit langem angemahnt wird. Allerdings gilt der Service zunächst nur auf Inlandsstrecken, weil, so Lufthansa-Sprecherin Dagmar Rotter, "die internationalen Bestimmungen weiterhin ein Papierticket vorschreiben".

Vereinfacht wird durch das "Electronic Ticketing" auch die Flugbuchung: Die Kunden rufen bei ihrem Reisebüro oder direkt bei Lufthansa an und reservieren unter Angabe ihrer Kartennummer telephonisch. Auf diese Weise können Flüge noch bis eine Stunde vor dem Abflug gebucht werden.

Allerdings ist die Chipkarte nicht besser gegen Mißbrauch geschützt als ein herkömmliches Ticket. Weil die Karte keine PIN-Nummer hat, könnte auch ein Dieb sie zum Fliegen benutzen, solange sie von ihrem Besitzer nicht als verloren gemeldet und gesperrt wird.

Die Lufthansa verspricht ihren Passagieren durch die "Selbstbedienung" kürzere Wartezeit, eine größere Flexibilität für ihre Kundschaft und sich selbst Einsparungen beim Bodenpersonal. Der technische Vorstoß, mit dem die deutsche Gesellschaft in Europa Vorreiter ist, eröffnet auch neue Wege, Flugreisen ohne den Umweg über das Reisebüro an den Mann zu bringen. Im Jahr 2000 soll der Direktvertrieb nicht mehr wie heute sechs Prozent, sondern fünfzehn Prozent ausmachen.

Den Lufthanseaten sind jene neun Prozent Provision, die Reisebüros für jedes Ticket kassieren, schon lange ein Dorn im Auge. In den USA, wo das Fliegen ohne Ticket schon länger üblich ist, kürzten die Airlines die Honorare für die Agenturen im vergangenen Jahr auf vier Prozent. Trotz heftiger Proteste zahlreicher Reisebüros steht dieser Trend auch in Europa bevor. Das kündigte Lufthansa-Vorstand Hemjö Klein unlängst an.