Hörnerklang und Jagdgesang: Trara, trara und Halali. Leise klingt das Getrappel von kleinen Hufen auf dem gefrorenen Waldboden und lauter dann das Geschrei der Treiber und noch lauter die Töne der Todesqual unserer schwarzborstigen vierfüßigen Minderheiten. Es ist wieder passiert. Heimlich zwar, hinter Hecken und Zäunen im tiefen Wald der Krondomäne von Het Loo bei Apeldoorn, doch das tolerante Volk der Niederländer hat alles gehört und gesehen und ist unheimlich sauer.

Willem Alexander Prinz von Oranje, 28 Jahre alt, wohlbeleibt und blondborstig, ging in den letzten acht Wochen nicht etwa den Pflichten eines zukünftigen Königs nach (kein Staatsbesuch, nirgends). Er ging auch nicht (wie alle anderen Niederländer) mit Schlittschuhen aufs schimmernde Eis. Er ging in den Wald, um wilde Schweine zu jagen. Ein nobler Zeitvertreib? Von wegen!

Erst den Wildbestand künstlich vermehren und dann die ahnungslosen Tiere vor die fürstlichen Flinten treiben! Das ist nicht Willems wilde verwegene Jagd, sagen unsere holländischen Nachbarn, das ist auch nicht der notwendige Einsatz des hegenden Weidmanns zur Pflege der Natur. Das ist ein ganz gemeines Machostück aus der mittelalterlichen Mottenkiste.

Seine Mutter ist dagegen. Seine Großmutter ist dagegen. Seine Tante Irene hat gerade aufgeschrieben, wie wir alle lernen können, mit den Bäumen, mit den Blumen und mit den Tieren zu reden, um "den Weg zum neuen Gleichgewicht" zu finden. "Dialog mit der Natur" mahnt die sanfte Tante, und nun trampelt dieser Neffe durch Wald und Heide und schießt mit Dumdumgeschossen um sich, und das ist auch unter Menschen schon seit dem Ersten Weltkrieg verboten. Wie kann er nur?

Sein Großvater tat es. Sein Urgroßvater tat es auch. Willem III. jagte schöne Frauen und wilde Schweine, und Königin Emma grämte sich. Prinz Hendrik von Mecklenburg-Schwerin jagte so vielen schönen Frauen nach, daß Königin Wilhelmina ihn in das Winterpalais von Apeldoorn verbannte, wo er "Trost suchte" bei der Jagd auf wilde Schweine - das war "Ferkel-Heintje". Prinz Bernhard jagte schon vor der Ehe mit Juliana in Afrika mit langen Speeren nach wilden Schweinen und nachher noch viel mehr. Und das Volk blickte auf das "mörderische Piff-paff-puff-Pläsier" der königlichen Ehemänner und übte mit drei weisen und liberalen Königinnen doch die eher weiblichen und friedlichen Formen des Zusammenlebens.

Willem Alexander, den ersten männlichen Nachkommen, der nach 116 Jahren im Haus Oranje geboren wurde, schickte seine Mutter erst mal in eine Montessori-Schule. Und weil das offensichtlich noch nicht reichte, um einen Mann zum zukünftigen König zu erziehen, schaut jetzt das Volk nicht länger zu. "Majestät!" schreibt der Schriftsteller Maarten t'Hart an Königin Beatrix. "Ich weiß zwar, daß Ihr Sohn volljährig ist und daß Sie deshalb vielleicht weniger Einfluß auf ihn haben, aber wenn er weiter so viel ißt, platzen ihm noch die Knöpfe von allen Uniformen . . . Und daß er bei diesem strengen Frost auf abgemagerte Vierfüßler die fröhliche Jagd macht, ist platt und widerlich."

Die Aktivisten vom Kritischen Fauna-Verein erklärten der jagenden Hoheit auf vielen tausend Faxen, daß ihr Verhalten mitnichten dem guten Vorbild entspricht, "das wir von unserem Fürstenhaus erwarten dürfen" - und die populäre Presse entwarf freundlicherweise gleich die Antwort, falls dem Kronprinzen selbst keine einfällt. "Liebe Untertanen", sollte er sagen, "ihr habt mich mit euren werten Protesten zur Einsicht gebracht . . . Jetzt sehe ich, daß Treibjagden auf unschuldige Tiere eine unwürdige Form von Vergnügen sind, und ich verspreche hiermit, es nie wieder zu tun."