HAMBURG. - Die deutschen Innenminister haben schützend ihre Arme über die Polizisten gelegt, die in den vergangenen Tagen wegen Ausländerfeindlichkeit geprügelt wurden. Das jedenfalls muß jeder denken, der die Meldungen zum Thema eingehend studiert hat. Oder was soll einer von solchen Zweideutigkeiten halten, wie sie in der Studie "Polizei und Fremde" formuliert werden, die die Innenminister in Auftrag gegeben hatten: Polizeiübergriffe gegen Ausländer seien keine Einzelfälle, einerseits. Ein "durchgehendes" oder "systematisches" Muster von Fremdenfeindlichkeit sei allerdings auch nicht festzustellen, andererseits.

Polizisten - so läßt sich unter diesen Umständen nur raten -, nehmt euch in acht! Der Wolf kommt meist im Schafspelz daher! Denn wie heißt es in der Studie weiter: Zu Übergriffen käme es nur dort, wo Polizisten permanentem Frust, Überlastung und Streß ausgesetzt seien: auf den Wachen der Großstadtreviere. In Timmendorf, Idar-Oberstein oder Unterammergau gehe es dagegen schön friedlich zu. Übersetzen könnte man dieses Ergebnis auch so: Ausländerfeindlichkeit tritt nur dort auf, wo auch Ausländer in größerer Zahl anzutreffen sind.

Wenn nicht Fremdenfeindlichkeit, was aber ist dann der Grund für die, so Hamburgs Innensenator Wrocklage, "bedauerlichen" Einzelfälle von Polizeigewalt gegen Ausländer? Die unzumutbaren Arbeitsbedingungen auf den großstädtischen Wachen sind es! Streifendienste rund um die Uhr. Personelle Engpässe. Massenweise Überstunden. Dazu mechanische Schreibmaschinen, Raumnöte und überhaupt vorsintflutliche Arbeitsbedingungen, die den Polizisten die Nerven rauben. Von den niedrigen Gehältern ganz zu schweigen! Und auch von den frustrierenden Ergebnissen ihrer Arbeit. Kaum habe man einen scheinbar kriminellen Ausländer geschnappt, müsse man ihn auch schon wieder laufenlassen.

Ist da der Wunsch, das Gesetz einmal selbst in die Hand zu nehmen, nicht verständlich? Und Hermann Lutz, Chef der Polizeigewerkschaft, sagt: "Ein Polizist muß heute das Gemüt einer genmanipulierten Tomate oder das eines Ambosses haben, um in Konfliktfällen nicht aus der Ruhe zu kommen."

Polizisten, seid auf der Hut! Bei so viel Einfühlungsvermögen ist meist etwas faul! Was daran faul ist? Nun: Streß, Frust und Überlastung sind nie allein die Ursache von Gewalt gegen Schwächere. Wo gibt es nicht überall Streß heutzutage, wo nicht auch unzumutbare Arbeitsbedingungen! Schlagen deswegen gleich überforderte Mütter ihre Kinder, gestreßte Professoren ihre Studenten oder genervte Politiker ihre Mitarbeiter? Sie tun es (meist) nicht, weil sie wissen, daß dies Unrecht wäre. Das aber heißt nichts anderes, als daß die Innenminister den Polizisten die sittliche Urteilskraft absprechen. Anders als die breite Mehrheit der Bevölkerung, anders auch als die Innenminister selbst, können sich scheinbar einige Polizisten nicht im Zaum halten.

Polizisten, wehrt euch gegen diese maßlose Arroganz! Merkt ihr nicht, daß euch die Verantwortung in die Schuhe geschoben werden soll? Die Politiker jedenfalls sind wieder einmal fein raus mit ihrer offiziellen Erklärung: Nicht sie, nicht ihre Ausländer- und Asylgesetze, nicht ihre polizeilichen Konzepte der Kriminalitätsbekämpfung sind verantwortlich für die Gewalt gegen Ausländer, sondern die Polizisten, die diese unmenschliche Politik ausführen. Polizisten, weist die Mitgefühlsorgie zurück, mit der euch die Innenminister einweichen! Laßt euch nicht länger mißbrauchen!

Diese Bitte richte ich besonders an die Hamburger Polizeibeamten, die im Moment vielleicht im "Kronzeugen" Uwe Chrobok den "Verräter" sehen. Nicht er verrät in Wahrheit die Polizei, sondern die Politiker, die Richter und Staatsanwälte, die Mißhandlungen von Ausländern decken und auch den Zeugen Chrobok im Regen stehen lassen.