Vom selbsternannten "Retter der menschlichen Ehre" blieb ein Häufchen Elend. Garri Kasparow, Weltmeister seit zehn Jahren und bester Schachspieler aller Zeiten, starrte auf den Trümmerhaufen, den er da in vier Stunden und 37 Zügen produziert hatte - ein Schachbrett mit grauslich postierten Figuren und einem zum Tode verurteilten König.

König Kasparow fühlte sich selbst wie ein Todeskandidat: "Ich fürchte, er ist unschlagbar." Noch nie ist Garri so an die Wand gespielt worden wie in der ersten der sechs Partien gegen den IBM-Computer Deep Blue. Dieses Monstrum berechnet 200 000 Millionen Stellungen pro Sekunde - Schach in einer neuen Dimension.

Aber Kasparow, der oft unter Schock seine größten Leistungen gebracht hatte, konterte mit Qualitäten, über die Computer nicht verfügen: schierer Willenskraft und der Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen. In der zweiten Partie entwickelte er eine zurückhaltende Strategie, die dem schnellen Brüter keine Ansatzpunkte für seine schwindelerregenden Rechenkunststücke bot. Nach sechs Stunden und 73 Zügen hatte er den Rechner ausmanövriert und die Ehre der Menschheit noch einmal gerettet. Für wie lange?