Die Entwarnung für den Bremer Vulkan kam am vergangenen Montag gegen Mittag: Nach tagelangem Bangen ließ die Brüsseler Wettbewerbskommission endlich wissen, sie habe keine Einwände mehr gegen eine 220-Millionen-Mark-Bürgschaft des Landes Bremen zugunsten der krisengeschüttelten Werft. Das war Rettung in letzter Minute. Völlig überraschend hatten sich die Hausbanken trotz Landesbürgschaft Anfang des Monats geweigert, eine erste Tranche von 78 Millionen Mark auszuzahlen. Solange es kein grünes Licht von der EU für die Bürgschaft gebe, sei sie nichts wert, begründeten die Kreditinstitute ihr Zögern.

Damit aber stand der Gesamtkonzern mit insgesamt 22 500 Mitarbeitern plötzlich auf der Kippe: Seine Kassen sind leer, schon monatelang hangelt er sich von einem Liquiditätsengpaß zum nächsten. Kein Wunder: Fast sechs Monate lang war der Schiffbauer praktisch ohne Führung - was weder bei Kunden noch bei Lieferanten besonderes Vertrauen schafft. Material gibt es für den Vulkan deshalb nur noch gegen Vorkasse, Kundenrechnungen hingegen werden eher zögerlich bezahlt. Illiquidität aber ist ein klassischer Konkursgrund - da hilft auch kein Hinweis auf dicke Auftragspolster oder eine gesunde Substanz.

Die Brüsseler Entscheidung ist denn auch ein erster Erfolg des Krisenmanagements der neuen Führungscrew. Vorstandschef Udo Wagner und der Aufsichtsratsvorsitzende Hero Brahms pilgerten vergangene Woche gleich zweimal nach Brüssel, im Gepäck jede Menge Zahlen als Argumentationshilfe bei ihrer schwierigen Mission. Der für Wettbewerb zuständige Kommissar Karel Van Miert ist nämlich, so ein Eurokrat, "persönlich tief betroffen", weil er sich von Wagners Vorgänger Friedrich Hennemann hintergangen fühlt. 1992 hatte Brüssel dem Bremer Vulkan 800 Millionen Mark staatliche Hilfen für die Modernisierung seiner mecklenburg-vorpommerschen Werften zugebilligt. Inzwischen aber hegt die Kommission den Verdacht, das Bremer Unternehmen habe diese Mittel vertragswidrig als Überlebenshilfe für andere Unternehmensteile eingesetzt - was allerdings bisher das Unternehmen und auch die Treuhand als Geldgeberin bestritten haben.

In dieser Situation mußten Wagner und Brahms Wettbewerbskommissar Van Miert überzeugen, daß der vom Bremer Senat verbürgte 220-Millionen-Kredit tatsächlich nur zur Finanzierung der Costa Olympia verwendet werden soll. Sonst wäre es eine Beihilfe, die gegen EU-Recht verstößt. Die Überzeugungsarbeit ist dem Bremer Duo offenbar fürs erste gelungen. Brüssel verzichtete, anders als ursprünglich von der Kommission beabsichtigt, auf eine Art Junktim zwischen der vollen Klärung des Falles "Ostwerften" und der Genehmigung der neuen Bürgschaft.

Sobald eine offizielle Mitteilung aus Brüssel vorliege, werde das Geld unverzüglich ausgezahlt, versicherte daraufhin die Commerzbank als Konsortialführerin. Am rettenden Ufer ist der Bremer Vulkan damit aber noch nicht. Denn sollte er in absehbarer Zeit weitere Kredite brauchen, könnte es wieder eng werden. In einem Schreiben an den Bremer Senat hat das Bankenkonsortium klargemacht, die Kreditinstitute seien nicht "länger in der Lage, gesamtwirtschaftlichen Überlegungen Vorrang vor Risikoabwägungen bei der Kreditvergabe einzuräumen".