Niemand hatte gemerkt, wie Singapur gegen den deutschen Elektronikriesen Siemens zum Schlag ausholte. Der traf dann um so härter. Bis zum Jahre 2001 will der südostasiatische Stadtstaat die Münchner von allen öffentlichen Aufträgen ausschließen. Gleichermaßen strafen die Asiaten zwei japanische Unternehmen, den italienischen Pirelli-Konzern und BICC aus Großbritannien. Der Vorwurf: Im Kampf um Staatsaufträge habe sich Siemens in eine üble Korruptionsaffäre verstrickt.

Die Elektromanager waren längst davon ausgegangen, daß sie unbeschadet bleiben würden. Schon vergangenes Jahr nämlich war ein Direktor des staatlichen Versorgungswerkes zu vierzehn Jahren Haft verurteilt worden, weil er sich hatte schmieren lassen. Mittelsmann soll Lee Peng Siong gewesen sein, ein singapurischer Unternehmensberater, der in Australien lebt und ausländischen Firmen hilft, Staatsaufträge zu gewinnen. Schon damals tauchte der Name Siemens auf, allerdings vorerst ohne Folgen. Für rund dreißig Millionen Mark hatten sie sich Lees Dienste über fünf bis zehn Jahre gesichert, wie das Unternehmen selbst zugibt. Trotzdem halten die Manager sich für unschuldig, weil sie nicht gewußt hätten, wie ihr Berater zu seinen Erfolgen kam.

Die singapurische Regierung bewertete die Sache anders und statuierte ein Exempel, das für Siemens teuer werden könnte: Rund 300 Millionen Mark setzt der Multi jährlich in Singapur im Geschäft mit öffentlichen Auftraggebern um. Deshalb will der Weltkonzern die Regierung bewegen, den Bann schnell wieder aufzuheben. Leicht dürfte das nicht werden, zumal zwischen dem Unternehmen und dem reichen Stadtstaat eine Mißstimmung herrschen soll, weil Siemens in Singapur nicht genug investierte.

Die Siemens-Manager müssen vor allem erklären, warum sie ein derart hohes Honorar bezahlt haben, ohne sich ausreichend über die Praktiken des Beraters zu informieren. Offenbar hat sich zumindest im Unternehmen niemand beizeiten darüber gewundert. Und auch jetzt macht sich in München kein Selbstzweifel breit: Solche Honorare seien üblich, verlautet es aus der Zentrale, für hochklassige Dienstleistungen müsse man eben viel bezahlen.

In unsaubere Geschäfte mit dem Staat war Siemens schon früher verwickelt. So wurden ehemalige Mitarbeiter des Konzerns für schuldig befunden, im heimischen München Schmiergeld gezahlt zu haben. In der spanischen "Filesa-Affäre" muß sich das Unternehmen im Rahmen eines Konsortiums ebenfalls um den guten Ruf sorgen: Man könne nicht ausschließen, so Siemens, "daß über spanische Beratungsfirmen . . . Spenden an politische Parteien gezahlt wurden". Und schließlich sind im "Roldan-Fall" jüngst Schecks, die auf Siemens ausgestellt waren, auf Schweizer Konten spanischer Politiker gefunden worden, gegen die wegen Korruption ermittelt wird.