Nach dem Treffen von Rom fühlten sich alle als Sieger. Der amerikanische Vermittler Holbrooke hatte seinen letzten großen Verhandlungsauftritt vor dem Wechsel an die Wall Street, auch die Kriegsparteien schienen zufrieden. Für "Mini-Dayton", die erste Krisensitzung nach dem Friedensabkommen, hatten sie keine zwei Tage gebraucht. Doch wen kann dies wundern? Die meisten Punkte, über die sich die Präsidenten feierlich einigten, hatten sie an anderen Orten bereits unterschrieben oder zugesagt.

Daß in Mostar die Menschen endlich Bewegungsfreiheit haben, daß kroatische und muslimische Polizeikräfte gemeinsam patrouillieren, daß die Stadt wiedervereinigt werden soll - all dies ist erfreulich, aber längst vereinbart. Und daß die bosnische Regierung den Serben in Sarajevo "Gelegenheit" gibt, sich an der Stadtverwaltung zu beteiligen, ist nur eine Selbstverständlichkeit.

Pale ignoriert nun alle Abkommen und hat den Serben befohlen, aus Sarajevos Vororten abzuziehen. Doch selbst der Mordversuch kroatischer Extremisten an EU-Administrator Koschnick von voriger Woche blieb ohne spürbare Reaktion des Westens. Präsident Tudjman handelte sogar noch Änderungen an den Bezirksgrenzen heraus. Als die Menschen dann am Dienstag frei die Demarkationslinie in Mostar passieren wollten, kontrollierte kroatische Miliz die Pässe - in derselben Stadt, in demselben Staat. Ein klarer Vertragsbruch.

Das Dilemma der westlichen Vermittler bleibt: Sie müssen Frieden schaffen mit den Ingenieuren des Krieges und den Ideologen der ethnischen Vertreibung. Auf Wiedersehen nächsten Monat in Rom?