Sanft, buchstäblich durch die Blume empfahl sich Gian Franco Fini, Hobbygärtner und postfaschistischer Parteichef, als kommender starker Mann Italiens: Das Mitte-rechts-Bündnis sei "keine Margerite mit nur einem einzigen Blütenblatt", sagte er Anfang dieser Woche. Sehr freundlich gab er zu verstehen, daß es doch eigentlich Silvio Berlusconi, dem umstrittenen und gerichtlich verfolgten Medienmogul, nicht zuzumuten sei, wieder als Kandidat für das Amt des Regierungschefs in den Wahlkampf zu ziehen.

Denn schon wieder, nach nur zwei Jahren, wird am 21. April in Italien ein - vielleicht - neues Parlament gewählt. Vergebens hatte Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro versucht, durch Übergangslösungen dem reformbedürftigen politischen System eine Gnadenfrist zu verschaffen. Zuerst durch den parteilosen "Techniker" Lamberto Dini, der seit Anfang 1995 redlich, doch mit immer weniger Interesse die Dauerkrise verwaltete und auch jetzt noch bis zu den Wahlen amtiert; dann durch den 71jährigen Verwaltungsfachmann und Verfassungsjuristen Antonio Maccanico, der - als "schlechter Mechaniker" verhöhnt - Ende voriger Woche seinen Versuch einer Regierungsbildung aufgab. Wer hat die Einigung der Parteien torpediert? Wer witterte hinter dem "demokratischen Kompromiß", von dem man bereits sprach, einen faulen "historischen" nach kommunistisch-christdemokratischem Muster der siebziger Jahre?

Gian Franco Fini, sonst sorgsam bedacht, kein neofaschistisches Image zu nähren, hatte mit einem Zornesausbruch auf den fast freundlichen Händedruck reagiert, der zwischen Berlusconi und dem Postkommunistenchef Massimo D'Alema eine Art Vernunftehe zwischen rechter und linker Mitte zu signalisieren schien. Nein, Fini will keine parlamentarisch und föderalistisch begrenzte Präsidialverfassung, sondern "mindestens" einen Präsidenten a la De Gaulle oder Chirac als Radikalkur gegen die italienische Krankheit. Und eben dazu wollte sich zuletzt auch Maccanico nicht hergeben. Dieser hatte schon 1988 geschrieben: Italiens Weg zu einer reformierten Zweiten Republik sei doch "total verschieden" von Frankreichs Übergang zur Fünften Republik nach der Tragödie des Algerienkrieges und mit einem General, der ein Held des Widerstandes - auch gegen die alte Republik - gewesen sei. In Italien hingegen, so meinte Maccanico prophetisch, werde es schwer sein, "ernste Erschütterungen zu vermeiden, die das ganze Grundgefüge der Verfassung in Gefahr bringen".

Weder ein römischer De Gaulle noch ein Mussolini-Imitator war damals in Sicht. Viele "alte Kameraden" rümpften die Nase, als 1988 ein eleganter, umgänglicher junger Mann namens Fini zum Nachfolger Giorgio Almirantes, des militant-demagogischen Führers der neofaschistischen "Sozialbewegung" (MSI), gekürt wurde: In Bologna 1952 geboren, war er als 18jähriger nach Rom gekommen, um Psychologie zu studieren und dies für eine politische Karriere nutzbar zu machen. Bemuttert von der Frau seines greisen Vorgängers und gestärkt durch viel Sport und Spaghetti, betrieb Fini zunächst als Jugendführer des MSI, dann als Abgeordneter seiner lautstarken und (mit nur sechs Prozent der Wähler) stimmenschwachen Partei deren Gesichtsoperation.

Zu den Eigenarten des neuen italienischen Faschismus gehört das Verwischen von Etiketten, echten wie falschen, und ihre Austauschbarkeit. So rückte Fini nach "rechts" zum konservativen und weg vom ultranationalistischen Lager - so wie sich seine Vorgänger nach "links" bewegt hatten, ohne bei nationalsozialem Gerede je ihren Antisozialismus und ihre Vorliebe für autoritäre Regime zu verleugnen.

Widersprüche und Ungereimtheiten? Sie erleichterten einem schlauen, stets im Zweireiher ohne Schwarzhemd agierenden Politiker wie Fini, langsam aber sicher von der Krise der italienischen Demokratie zu profitieren. Zumal es seiner Partei dank ihrer Verbannung in die Opposition erspart blieb, sichtbar in den Sumpf von Korruption und Amtsmißbrauch zu geraten.

"Der Faschismus ist mit Mussolini 1945 gestorben, und niemand kann ihn wiederbeleben", verkündete Fini 1993. Kurz darauf gewann er bei der Kommunalstichwahl in Rom fast 47 Prozent der Wählerstimmen und wurde als Koalitionspartner entdeckt: Fini sei ein Vertreter "jener gemäßigten Kräfte, auf die ich mich immer schon berief", verkündete Berlusconi, kurz bevor er Anfang 1994 in die Politik ging. Fini verbeugte sich vor Opfern nazistischer Repression, beeilte sich, seine MSI-Partei in "Nationale Allianz" (AN) umzutaufen, und erntete bei den Wahlen im März 13,5 Prozent der Stimmen - mehr als das Doppelte von 1992. Es waren Gewinne von "links", die er sogleich gegen Verluste nach "rechts" absicherte: "Ich würde noch immer sagen, daß Mussolini der größte Staatsmann des Jahrhunderts war", säuselte er, versicherte jedoch schon bald, derlei nicht mehr zu wiederholen. Schließlich durfte er drei Minister in die Regierung Berlusconi entsenden - er selbst hielt sich zurück.