Der Wille zum Guten war den Politikern nie abzusprechen - schon gar nicht im Fall der Bremer Vulkan-Werft. Immer wenn im Schiffbau der Verlust Tausender von Arbeitsplätzen drohte, waren sie bemüht, die Rolle des Retters zu spielen. Doch haben die Politiker das Gute nur gewollt, aber das Falsche getan. So trifft vor allem die bremischen Landespolitiker eine erhebliche Mitschuld daran, daß der größte deutsche Werftenverbund in seine verheerende Krise stürzte. Weil sie jahrzehntelang immer wieder Steuergelder in die Werft hineingepumpt haben, wurden veraltete, unrentable Strukturen aufrechterhalten. Das Unternehmen war nicht gefordert, sich den härteren Wettbewerbsbedingungen anzupassen. Zugleich streuten sich die Politiker damit auch noch selbst Sand in die Augen: Wegen der vermeintlichen Sicherheit der alten Arbeitsplätze im Schiffbau versäumten sie es, für die Ansiedlung neuer, zukunftsträchtiger Betriebe zu sorgen.

Als besonders verhängnisvoll erwies sich die enge Verquickung zwischen Politik und Unternehmensmanagement. Denn wie kein zweiter verstand es der frühere Vulkan-Chef Friedrich Hennemann - vormals Senatsdirektor in Bremen -, seine Verbindungen zur Politik zu nutzen und die Subventionstöpfe anzuzapfen. Als folgenschwer erwiesen sich dabei auch die zweifelhaften Gegengeschäfte, bei denen der Vulkan Verlustbringer in den Konzern eingliederte und so die Politiker mancher anderer Sorgen entledigte.

Statt sich vorrangig um den steten Nachschub von Subventionen zu kümmern, hätte das Management seine originäre Aufgabe erfüllen müssen: Gewinne zu erwirtschaften. Nur dann werden Arbeitsplätze wirklich sicher - und die Politiker erst gar nicht versucht, sich in die Wirtschaft einzumischen.