Erfahrungen mit Flecken und Fleckentfernern beschrieb Frank Drieschner in der Glosse "Das Mittel zum Fleck" (ZEIT Nr. 5/1996). Die im Text genannte Herstellerfirma sah sich und ihren Fleckentferner zu Unrecht in schlechtes Licht gerückt und antwortete durch ihre Presseagentur expert PR mit einer "Gegenglosse":

Es ist ja löblich, wenn Männer im Haushalt selbst mal Hand anlegen, tüchtig mithelfen und die unangenehmen Dinge dabei nicht auf Frau oder Freundin abwälzen. Was das betrifft, sind Junggesellenhaushalte, insbesondere von männlichen Wesen im Journalistenberuf, wahre Brutstätten des neuen haushaltsfähigen Mannes: In ihren Wohnungen hilft nur Selbsthilfe. Doch die will gelernt sein - gerade wenn's um heikle Dinge geht, beispielsweise Fleckentfernen.

Hausfrauen haben damit meistens keine Probleme, irgendwie kennen die sich aus. Wahrscheinlich, weil sie die Gebrauchsanleitungen richtig gelesen haben. Und verinnerlicht, denn Flecken zu entfernen, von Blusen, Hemden, Hosen, Teppichen, kommt im Haushalt öfter vor. Heikel wird's, nehmen wir den Fall, wenn ein Mann, aus welchen Gründen auch immer, eine "Rotweinspritzerei" veranstaltet und nachher auf einem "schafsfarbenen Wollteppich" und einem "naturfarbenen Wollpullover" häßliche Flecken entdeckt. Selbstredend will er sie beseitigen und kauft ein Mittel, das die gewünschte Wirkung erzielen soll. So weit, so normal.

Wenn man(n) allerdings das Mittel nach dem Motto "Viel hilft viel" anwendet, ohne sich genau an die Gebrauchsanleitung zu halten (was aber Hausfrauen tun), dann kann es passieren, daß sich das Malheur auf dem Teppich vergrößert - wie geschehen. Ärgerlich greift unser Mann zur Feder und schreibt eine Glosse. Da Glossen sich bekanntlich durch eine spitze Zunge auszeichnen (von lateinisch/ griechisch glossa = Zunge, Sprache), gelingen ihm hier Scherz, Satire, Ironie und - eben keine tiefere Bedeutung.

Boshaft verschweigend, daß sein Wollpullover sich mit diesem Mittel wunderbar behandeln ließ, schreibt er in der Glosse: "Kein vernünftiger Mensch glaubt, daß Fleckentferner Flecken entfernen . . ." Wenn das ernsthaft gemeint ist, stellt sich die Frage: Wieso versucht er es? (Irren etwa viele tausend Hausfrauen, die Fleckentferner jeden Tag erfolgreich nutzen?) Fast ist frau versucht, dem Autor die minuziöse Schilderung zu glauben, wie man(n) den Fleckentferner anwandte. Doch wie so oft steckt auch hier der (Flecken-)Teufel im Detail. Geflissentlich verschweigt der Autor in den Zitaten aus der Gebrauchsanleitung den wichtigsten und allerersten Satz: "Farbige und acetathaltige Textilien an verdeckter Stelle auf Beständigkeit prüfen." Das ist nun allgemein bekannt, daß man vor dem Fleckentfernen erst die Farbechtheit prüft. Ist das nicht möglich, läßt man's besser bleiben. Da müssen dann Spezialisten ran.

Die fragt auch der Autor am sogenannten Fleckentelephon des Herstellers. Und zitiert aus den Gesprächen, juristisch ausgedrückt, geschäftsschädigende Äußerungen der netten Telephondamen, deren Rat er an anderer Stelle ausdrücklich lobt. Und große Handelskunden fragen sich, ob sie das Fleckenmittel weiterhin noch ihren Kunden offerieren sollen. So weit kann das Schreiben von Glossen führen. Und das nur, weil man(n) Gebrauchsanleitungen nicht richtig befolgt. Oder, wie die alten Griechen sagten: Glossa pollon estin aitia kakon - Die Glosse ist Ursache vieler Übel.