Am Anfang war das "Brötchen", ein dreieinhalb Minuten kurzer Dokumentarfilm, wortlos, unterlegt mit Musik. Es folgten die "Milch", das "Ei", die "Gabel", der "Löffel" - die ersten Sachgeschichten für Fernsehanfänger. Außer dem Regisseur fand sie kaum jemand gut. Man könne zarten Kinderseelen doch nicht schonungslos Hühner in Legebatterien zumuten! schimpften die einen. Die anderen rügten die ästhetisierende Darstellung maschineller Abläufe oder vermißten gar die kritische Frage nach den Produktionsmitteln. Man schrieb das Jahr 1969 und viele kluge Texte darüber, warum Fernsehen für kleine Kinder sowieso ganz schrecklich sei.

"Dabei kommt's doch drauf an, wie man das macht", sagt Armin Maiwald, eben jener Regisseur von damals. Das hat er schon immer geglaubt. Von den Berufspädagogen, die sich in jenen Jahren als eifrige Ratgeber in den Sendeanstalten etablierten, hat er sich nie gerne was sagen lassen. Und inzwischen, ein Vierteljahrhundert später, kann der 56jährige auf eine erstaunliche - und pädagogisch wertvolle - Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Sie ist eng verwoben mit dem Schicksal der Maus. Diese orangefarbene, schlaue, überaus liebenswerte Cartoonfigur feiert am 10. März ihren 25. Geburtstag, als unumstrittener Star der Fernsehgeschichte. 1971 tippelte sie zum ersten Mal über den Bildschirm: stumm, mit staksigen Schritten, unter heftigem Klimpern der Augenlider. Wenig später gab sie der "Sendung mit der Maus" ihren Namen und ist längst zum Marathonläufer der ARD geworden.

Ein Phänomen. Das vom WDR erfundene und zigfach preisgekrönte Kindermagazin mit seiner munteren Mischung aus Trick- und Bildergeschichten, Liedern und Maus-Spots hielt nicht nur allen pädagogischen Moden stand, sondern trotzte sogar dem Quotendruck. Es ist Maus-Zeit, jeden Sonntag um halb zwölf.

Und was wäre die Maus ohne ihre Sachfilme! Die meisten, wohl auch die bekanntesten, hat Armin Maiwald gedreht: Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta? Wie funktioniert eine Dauerwelle? Wie wird ein Legostein gemacht? Filme über alles, was Kinder die Maus-Redaktion fragen - oder fragen könnten. Allein in Maiwalds Archiv lagern an die 900 Sachgeschichten von A wie "Atomkraft" bis Z wie "Ziegenkäse". Noch vor dem Maus-Vorspann und der Titelmelodie verrät "der Armin" im Wechsel mit "dem Christoph" (Kollege und Mit-Moderator Christoph Biemann), um was es diesmal gehen wird: "Hallo Maus-Fans . . ."

Die grauen Haare, die sonore Stimme, die ruhige, uneitle Art zu sprechen: Maiwald in Jeans und Lederjacke wirkt auch im richtigen Leben fast zum Duzen vertraut - wenn er nicht Kettenraucher wäre. Das bricht das vom Schirm her gewohnte Bild. Am Revers trägt er seit Oktober vergangenen Jahres den dezenten Ableger des Bundesverdienstkreuzes. Das schwarzrotgoldene Schmuckstück prangt nur Millimeter neben dem Sticker mit orangener Maus, blauem Elefanten und gelber Ente. Ein schöner Kontrast.

Er wirft einen Blick auf seinen Kragen. Doch, inzwischen kann er den Orden gelassen betrachten. Aber das hat eine Weile gedauert. Als er vor ein paar Monaten den Brief aus dem Bundespräsidialamt in der Hand hielt, suchte er sofort nach den Kollegen mit der versteckten Kamera. Das Bundesverdienstkreuz? Für Armin und Christoph von der Maus? Ein Scherz! Wo war das Verdienst? Sollten sie annehmen? Wer hatte sie vorgeschlagen? Erst nach der offiziellen Verleihung durch Roman Herzog, der sich in seiner Eigenschaft als Großvater offenbar persönlich für die hohe Auszeichnung verwendet hatte, wuchs bei Maiwald langsam die Freude: "Der Präsident hat gesagt, wir sollten das als Zeichen der Anerkennung nehmen und so weitermachen." Das klang dem Geehrten nüchtern genug.