ZEIT: Singapur hat den Siemens-Konzern wegen Korruption fünf Jahre lang von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen. Transparency International hat dies ausdrücklich begrüßt. Warum? Eigen: Zunächst können wir nicht nachprüfen, ob die Behörden in Singapur rechtsstaatlich gehandelt haben. Und das muß natürlich gewährleistet sein. Unser Beifall gilt dem Konzept einer solchen schwarzen Liste und der dahinterstehenden Philosophie des Kampfes gegen Korruption.

ZEIT: Ist der Fall Siemens ein typisches Beispiel?

Eigen: Wenn es war, wie Siemens es auch selbst darstellt, ist das beinahe ein Lehrbuchfall: nämlich daß man einem lokalen Berater Beträge zahlt, die in keinem Verhältnis stehen zu der Arbeit, die dieser Mensch leisten muß.

ZEIT: Die Siemens-Manager halten sich für unschuldig, weil sie gar nicht gewußt haben, was da vor sich geht.

Eigen: Diese Haltung ist typisch. Große Unternehmen geben den regionalen Geschäftemachern riesige Beträge und sagen: Wir wollen gar nicht wissen, was ihr tut; die Hauptsache ist, daß Aufträge hereinkommen. Für die Konzerne rechnet sich das im Einzelfall auch. Aber wir erwarten, daß Firmen, die so operieren, im Laufe der Zeit noch viele solcher Skandale erleben werden und ihr Name darunter leiden wird.

ZEIT: Muß ein Unternehmen wie Siemens nicht mitmachen, weil alle anderen es auch tun?

Eigen: Das ist die verkehrte Einstellung. Firmen, die sich defensiv an diesen Praktiken beteiligen, unterstützen das System. Sie sind nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Man kann zwar nicht den heroischen Alleingang verlangen, sehr wohl aber ein ernsthaftes Bemühen, solche Situationen zu vermeiden. Eine ganze Reihe von Firmen umgeht so die Korruption.