Stolz führt Pastor Gabriel Bayda die Besucher durch seine Behausung. Der Wohlstand hängt an der Decke: Energiesparlampen, die mit Strom von der Sonne betrieben werden. Die Technik, die es dazu braucht, hat Deutschlands größter Stromverkäufer, das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE), gestiftet. 2000 Mark hat das Solar Home System gekostet. Bayda hat, was die anderen Einwohner der tansanischen 10 000-Seelen-Gemeinde Karatu auch gerne hätten. Leisten kann sich die Technologie freilich keiner. Dabei rentiert sich die "Stromversorgung des kleinen Mannes" auch heute schon, und zwar überall dort, wo die Sonne intensiv und regelmäßig scheint und kein Stromnetz existiert. "Der Bedarf ist riesig", betont Ulrich Aderhold von der RWE-Tochter Angewandte Solarenergie (ASE). Doch zu einem Großauftrag kam es bisher nicht.

Als sich die indonesische Regierung dazu entschloß, die Photovoltaik in eine Million abgeschiedene Hütten zu bringen, und um zinsgünstige Kredite zur Anschaffung der 50-Watt-Solarmodule bat, verweigerte Bonn die Hilfe. Dabei waren die Indonesier mit deutscher Hilfe auf die Idee gekommen: Fünfzig Millionen Mark gab das Bonner Forschungsministerium in den vergangenen fünfzehn Jahren aus, um zu zeigen, daß sich die Photovoltaik in Indonesien rechnet. Den Nutzen haben nun andere Länder. Für das indonesische Projekt kommt das Geld für die ersten 30 000 Anlagen aus Australien, die Technologie ebenfalls.

Der Fall ist symptomatisch: Obwohl die Deutschen weltweit führend bei der Erforschung und Entwicklung der Photovoltaik sind, kommt hierzulande kein Markt in Gang. Ganz im Gegenteil: Sämtliche deutschen Hersteller von Solarmodulen haben inzwischen ihre Produktion in die Vereinigten Staaten verlagert. "Wir haben im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von sechzig Millionen Mark vierzig Millionen Mark Verluste gemacht", erläutert Ulrich Aderhold von ASE. Das Unternehmen hat seine Produktion in Wedel bei Hamburg zum Jahresende eingestellt. Siemens Solar erging es nicht besser: Das Unternehmen produziert inzwischen in den USA und hat es mit 12,6 Megawatt zum weltweiten Marktführer gebracht. In Zukunft will auch die ASE jenseits des Atlantiks produzieren.

Was die Deutschen nach Amerika lockt, sind nicht nur die um die Hälfte niedrigeren Lohnkosten und die längeren Arbeitszeiten, sondern auch die großzügigen amerikanischen Förderbedingungen. Zwar schließt ASE-Geschäftsführer Aderhold eine Rückkehr nach Deutschland ausdrücklich nicht aus. Aber, so Aderhold, "wir brauchen faire Bedingungen".

Zweifel am guten Willen haben indes die politischen Freunde der Solarenergie. Erst kassiere man deutsche Forschungs- und Entwicklungsgelder, dann wandere man ins Ausland ab, empören sich Bündnis 90/Die Grünen in einer Anfrage an die Bundesregierung. Skeptisch fragten die Parlamentarier auch nach, ob die Bundesregierung es "als nachteilig für die Verbreitung der Photovoltaik" erachte, daß die Herstellerfirmen fest in der Hand der Stromkonzerne sind: RWE ist zu 50 Prozent an ASE beteiligt, die zweiten 50 Prozent hält die Daimler-Benz Aerospace; das Bayernwerk ist zu 49 Prozent an Siemens Solar beteiligt. Dennoch heißt die lapidare Antwort: "Nein."

Tatsächlich streitet Richard Klein, Mitglied im Vorstand der RWE Energie AG, wacker für die Photovoltaik und denkt dabei an die "nächsten hundert Jahre Unternehmensgeschichte". Wenn man mit der Photovoltaik dereinst Geld verdienen kann, soll auch RWE dabeisein. Deshalb müsse der Konzern "heute den Fuß in die Türe stellen" - freilich mit öffentlicher Hilfestellung. "Wenn die Politik die Anschubfinanzierung sichert, wird RWE zwanzig Millionen Mark im Jahr investieren", verspricht Klein.

Tatsächlich tun sich die Politiker hierzulande mit der Photovoltaik schwer. Aus dem Bonner Entwicklungsministerium ist vertraulich zu erfahren, daß man über Anträge zur Förderung von Solar-Home-Systemen in Entwicklungsländern alles andere als glücklich ist. Das Forschungsministerium hält seine Schuldigkeit mit Ablauf des 1000-Dächer-Programmes für beendet. Der "Feldversuch" habe zeigen sollen, daß die Technik funktioniere, für die Markteinführung sei ein anderes Ministerium zuständig: das für Wirtschaft. Dort ist Paul-Georg Gutermuth für regenerative Energie zuständig. Ein Sonnenfreund, der freilich weniger Mittel verteilen darf, als er gerne würde. Ein 1,5-Milliarden-Mark-Programm habe er vorgeschlagen, erzählt er. Genehmigt wurden 100 Millionen bis zum Jahr 2000. Davon wurde nun für 18 Millionen Mark ein zweites 1000-Dächer-Programm aufgelegt. Doch schon nach den ersten Januartagen wurden die Mittel für 1996 knapp. Und das, obwohl die Technologie immer noch viel zu teuer ist.