Der zeitweise auf unter 1,45 Mark gedrückte Dollar, noch mehr aber die Schwäche des amerikanischen Bonds-Marktes haben an den deutschen Börsen zu einer deutlichen Verschlechterung des Klimas geführt. Am Rentenmarkt kam es zu einer kräftigen Anhebung der Renditen. Sie warf bei den Zinsexperten sofort die Frage auf: Korrektur oder Zinswende? Äußerungen aus dem Hause der Bundesbank ist zu entnehmen, daß von dort weitere Zinssenkungen vorerst nicht mehr zu erwarten sind. Damit ist den Wertpapiermärkten die Zinssenkungsphantasie genommen worden.

Der Niedergang des Dollar ist durch Stützungsmaßnahmen ostasiatischer Länder zumindest vorübergehend gestoppt worden. Natürlich hat er sich auf die Aktienkurse hiesiger exportstarker Unternehmen negativ ausgewirkt. Doch wenn der Daimler-Kurs nach einem beachtlichen Höhenflug nun wieder unter die 800er Mark gerutscht ist, dann hat das auch "hausgemachte" Ursachen. Inzwischen dementierte Gerüchte über einen Umbau des Daimler-Vorstandes hatten für Irritationen gesorgt. Bei Siemens-Aktien, die erst kürzlich historische Höchstkurse erreicht hatten, drückte der Ausschluß von öffentlichen Aufträgen in Singapur den Kurs. Siemens wird vorgeworfen, dort mit Bestechungen gearbeitet zu haben.

Gut im Markt liegen nach wie vor die Aktien der großen Versorgungsunternehmen - vor allem wegen ihres Engagements im Bereich der Telekommunikation, was an der Börse mit viel Vorschußlorbeeren bedacht wird. Die Absicht von RWE, Viag und British Telecom, eine schlagkräftige Allianz auf diesem Gebiet zu bilden, hat zumindest den RWE-Aktien vorübergehend neue Topkurse beschert. Bei den Bankaktien hat sich der Anstieg der Zinsen bisher weniger negativ ausgewirkt, als befürchtet werden mußte. Zum einen dürften die Abschlüsse für 1995 besser sein, als bisher angenommen, zum anderen macht sich die Offenlegung stiller Reserven, wie sie bereits vorgenommen worden ist oder noch vorgenommen werden soll, kursstabilisierend bemerkbar.

Die Schwäche des Rentenmarktes hat den Absatz neuer Emissionen zunächst einmal zum Stocken gebracht. Keine Schwierigkeiten gibt es aber bei der Plazierung hochverzinslicher Anleihen süd- und mittelamerikanischer Schwellenländer.