Er sei "der berühmteste Zimmermann seit Jesus Christus", schrieb das britische Magazin Tatler einst. Und auch die Boulevardpresse überschlug sich in Wortspielen, als David Linley, Sohn der britischen Prinzessin Margaret und Lord Snowdon, nach der Schule eine Ausbildung als Kunsttischler begann: Der königliche Neffe an der Kreissäge, blaues Blut vergossen an der Hobelbank, den Kensington Palace eingetauscht gegen eine staubige Werkstatt . . .

Vor fünfzehn Jahren ist dies gewesen, David Linleys Beziehung zum Holz hat gehalten bis heute. Der Beruf des 34jährigen gibt Tante Elisabeth keinerlei Anlaß zum Naserümpfen. Schließlich vertreibt der Neffe keine Kiefernholzregale, sondern maßgefertigte Möbel für den Geldadel und so praktische kleine Dinge wie Zigarrendosen mit Klimaanlage. Wer also ein Mitbringsel sucht für den verwöhnten Mitmenschen, der alles hat: Das wohltemperierte Quartier für Tabakwaren ist für 2950 Mark erhältlich.

Linley, ein kleiner Mann mit dunkelblondem Kurzhaar, muß sich mittlerweile kein Sägemehl mehr vom Jackett klopfen. Fast zwei Jahrzehnte liegt es zurück, daß er seiner Großmutter, Queen Mum, eine Kiste bastelte. Heute steht er nicht mehr selbst in der Werkstatt, sondern arbeitet für seine Londoner Möbelfirma mit anderen Handwerksbetrieben zusammen: Drechslern, Schnitzern, Glasern, Vergoldern und einem Spezialisten für Einlegearbeiten.

Auf seinen Reisen jedoch hat der Viscount immer eine Werkzeugkiste dabei, so auch in Düsseldorf, wo er in einer Filiale von Geschäftspartner Alfred Dunhill seine neue Kollektion von Schmuckkästen vorstellte. Feilen, Holzleim, Sandpapier und Furnierblätter gehören für ihn genauso ins Gepäck wie die Zahnpasta. Und wenn eine Lade klemmt oder eine Kirschholzpolitur ermattet, kann man den Thronfolger Nummer elf des britischen Königreiches an einem Kasten schmirgeln sehen.

Der Fall ist jedoch selten. Nicht weil er sich zu fein dafür wäre, sondern weil man sich an seinen Schatullen keinen Makel vorstellen kann. David Linley hat Schmuckkästen für Männer entworfen. Das Wort "Kasten" ist allerdings ein klarer Fall von britischem Understatement. Es handelt sich um kleine Schlösser und Burgen aus Holz: Schöner Wohnen für Manschettenknöpfe.

Der "Pavillon" zum Beispiel. Seine Kuppel aus poliertem Platanenholz schimmert im Lampenlicht. Feinste Intarsien schmücken die Fassade. Das Dach stützt sich auf rötliche Säulen aus Massivkirsche. Linley hat den "Pavillon" einem barocken Gartenhaus nachempfunden, das der Earl of Kent sich Anfang des 18. Jahrhunderts auf seinem Landsitz in der Grafschaft Bedfordshire hatte errichten lassen.

Die Miniatur ist etwa so groß wie ein Kaffeeautomat. Ihr Dach läßt sich zurückklappen. Und im Inneren des Hauses stecken zwei Schmuckfächer, die man nacheinander herausheben muß, wenn man etwa den Siegelring sucht, der ganz unten ruht. Die Fächer sind mit königsblauem Velours ausgeschlagen. Und wenn man sie von oben wieder in dem Holztempel versenkt, macht es "pfhhhhhh". Kein Klappern, kein Knarzen. Einfach "pfhhhhhh". So exakt wurde gearbeitet, daß sich nur die Luft der Lade widersetzt. Und erst das Geheimfach! Ein Versteck im Sockel des "Pavillons". Ein Druck an der richtigen Stelle, und ein weiteres Fach schiebt sich in Kellerhöhe seitlich aus dem Gartenhaus. Der ideale Ort für Brillanten oder parfümierte Briefe.