Dem Karneval erging es wie dem Sommer: Er gehörte Gerhard Schröder und der SPD. Vorläufig, rief der SPD-Wirtschaftssprecher in die jecken Tage, müsse man auf die ökologische Steuerreform verzichten. Diese Kursänderung sei mit dem Parteichef abgesprochen. Der aber kann sich nicht erinnern: "Die Steuerreform muß so bald wie möglich begonnen werden."

Unglückliche SPD. Wieder Kakophonie, wieder wegen Schröder. Jetzt, in der Fastenzeit, muß neu gebündelt werden. Aber wie?

Vielleicht wies der Mainzer Kurt Beck den Weg. Er versöhnte jüngst - in nur einem Satz! - alle denkbaren Standpunkte mit den Parteibeschlüssen und formulierte damit eine Art SPD-Zukunftsmanifest: "Die Partei- Position ist unser Orientierungspunkt, aber es muß der nächste Schritt jetzt so gewogen werden, daß er eingebettet werden kann in die derzeitige Herausforderungslage."

Zu Weiberfastnacht empfingen Bundeskanzler und Bundespräsident Prinzessin Bonna Nicola. Roman Herzog, übrigens das erste Staatsoberhaupt, das Jecken Einlaß gewährte, ging als Kapitän. Ach wäre doch Gerhard Schröder schon Kanzler! Oder Präsident. Er hätte sich in seinem Amtssitz artig bützen lassen und wäre nicht im Jet von VW-Boß Piëch zum Wiener Opernball geflogen. Unverkleidet! Als Automann.

Jetzt muß Schröder nicht nur die Partei, sondern sich selbst retten. Die Grünen in Hannover wollen "den Fall" im Landtag behandeln. Ob Schröder auf die "Methode Griefahn" zurückgreifen wird und einen ehemaligen Verfassungsrichter bittet, die Grenzen politischer Moral zu definieren? Oder diesmal lieber einen früheren Ministerpräsidenten? Einen mit Nachfühlungsvermögen? Alles läuft auf Lothar Späth zu.

Am Rosenmontag kroch eine humorige Pressemitteilung der CSU-Landtagsfraktion durch die Faxgeräte. Pressesprecher "Hofnarr" enthüllte ein "geheimgehaltenes SPD-Programmpapier" mit dem Titel: "Sicher in der Opposition bis 2014".

Aber richtig lustig war auch das nicht. Die CSU-Jecken hatten vergessen, die Umfrageergebnisse vom selben Tag zu lesen: Deutschland will, trotz Schröder, oder vielleicht sogar seinetwegen, eine rotgrüne Regierung.