Willkommen waren die sächsischen Kühlschrankbauer in der Branche nie. Schon die Treuhandanstalt hatte vergeblich versucht, die traditionsreichen Betriebe aus Niederschmiedeberg und Scharfenstein loszuschlagen. Erst kurz vor der Liquidation im Jahr 1992 nahte die Rettung. Die Umweltorganisation Greenpeace half mit einer neuen Technologie. Anstelle der üblichen klimaschädlichen Kühlmittel stellten die Sachsen unter ihrer Marke Foron den ersten Kühlschrank vor, der als Kühlmittel ein Propan-Butan-Gemisch benutzte und völlig ohne die Klimakiller FCKW oder FKW auskam. Da wachte die Branche auf. Die sieben führenden Haushaltsgeräte-Hersteller AEG, Bauknecht, Bosch, Electrolux, Liebherr, Miele und Siemens streuten im Handel, das Propan-Butan-Gemisch sei gefährlich ("Brandgefahr") und die Foron-Kühler fräßen zuviel Energie.

Dennoch buchten die von Greenpeace unterstützten Sachsen erste Anfangserfolge; und kaum lieferte die Foron Hausgeräte GmbH im Frühjahr 1993 ihren "ersten FCKW-freien Kühlschrank" aus, warfen sämtliche etablierten Konkurrenten ebenfalls Kühlgeräte mit der vorher verpönten Technik auf den Markt.

Mit dem East German Investment Trust (Egit), einem Bankenfonds und dem eigenen Management klappte schließlich doch noch die Privatisierung von Foron. Aber trotz vieler Ideen fehlte es am nötigen Kapital und der Vertriebsstruktur, um auf dem dichtbesetzten Feld der "weißen Ware" größere Marktanteile zu gewinnen. Ein potenter Partner mußte also her. Im Februar 1995 schien der endlich gefunden. Der südkoreanische Mischkonzern Samsung wollte die Kühlschrankbauer übernehmen. Doch die Freude in Niederschmiedeberg währte nur kurz. Plötzlich paßten die Sachsen doch nicht mehr in die koreanische Europastrategie. Ein großer Konkurrent habe Druck gemacht, wurde damals gemunkelt.

Überraschend tauchte dann erneut ein weißer Ritter aus dem Orient auf. Der Aufsichtsrat des milliardenschweren türkischen Koc-Konzerns beschloß im Dezember "einstimmig" (wie man in Niederschmiedeberg weiß), die Foron Hausgeräte GmbH zu erwerben. Basis war das Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Die Koc/Foron-Pläne sahen schon für das laufende Jahr eine Umsatzsteigerung von 115 Millionen Mark (1995) auf "140 bis 145 Millionen" vor. Schließlich hatten die findigen Sachsen mit ihrem "runden Kühlschrank" und innovativen Waschmaschinen großen Anklang bei den Händlern gefunden. Vor drei Wochen schickten die Türken allerdings nochmals die Prüfer vorbei. Und obwohl diese - laut Foron - praktisch identische Ergebnisse erhielten, kam es zum Eklat. Ein Fax aus Istanbul teilte den "völlig überraschten" Foron-Managern lapidar mit, daß der türkische Konzern von seinen Kaufabsichten zurücktrete. Die "Durststrecke" bis zum Erreichen der Gewinnschwelle schien ihnen jetzt zu lang.

Der plötzliche Sinneswandel ist für die Niederschmiedeberger "ein Rätsel". Dennoch wird mit Unterstützung der sächsischen Staatsregierung an einem "Alternativkonzept" gearbeitet. Leicht wird es nicht für Foron. Schließlich ist der stagnierende Hausgerätemarkt fest in Händen eines potenten Oligopols, angeführt von Bosch-Siemens, dem schwedischen Multi Electrolux (mit den Marken AEG, Zanker), Whirlpool (mit Bauknecht), Miele und Liebherr.

Aufgeben wollen die Sachsen trotzdem nicht. In einer Betriebsversammlung gab die kampferprobte Belegschaft von noch 620 Mitarbeitern das Motto aus: "Jetzt erst recht".