Wird das europäische Fernsehgeschäft neu aufgemischt? Gleich zwei Mediengiganten versuchen derzeit Einfluß auf die Compagnie Luxemburgeoise de Télédiffusion (CLT) zu gewinnen. Mit zwölf Hörfunk- und elf Fernsehsendern in acht Ländern von Irland bis zur Tschechischen Republik und einem Umsatz von mehr als vier Milliarden Mark ist die CLT Europas größtes Fernsehunternehmen.

Anfang Februar beschlossen die CLT und der amerikanisch-australische Medienmagnat Rupert Murdoch eine Firma zu gründen, um gemeinsam den französischen, deutschen und österreichischen Markt reihenweise mit Abonnementfernsehen (Pay TV) zu beglücken. Bereits für diesen Herbst, so berichtete der Luxemburger CLT-Kenner Romain Hilgert gerade im Evangelischen Pressedienst Kirche und Rundfunk, ist der Start in Deutschland geplant. Möglicher Name der Pay-TV-Gesellschaft: "Club RTL".

Die Allianz zwischen CLT und Murdoch, die bisher anscheinend nur per Vorvertrag besiegelt wurde, könnte die Pläne eines anderen Medienkonzerns stören: der Bertelsmann AG aus Gütersloh. Erstmals nämlich könnte dem deutschen Pay-TV-Sender Premiere Konkurrenz erwachsen, der gemeinsam von Bertelsmann, dem französischen Canal Plus und dem Münchner Medienunternehmer Leo Kirch betrieben wird. Ende vergangenen Jahres war es Premiere nach langen Bemühungen gelungen, die Zahl der Abonnenten auf über eine Million zu hieven, was als Gewinnschwelle gilt. Ein neuer Konkurrent am deutschen Markt könnte die Gewinnhoffnungen schnell beenden. Immerhin konnte Premiere sich jüngst bei den Verhandlungen mit dem Deutschen Fußballbund die Pay-TV-Übertragungsrechte der Fußballbundesliga sichern - gegen ein finanziell attraktiveres Angebot des Duos CLT/Murdoch. Ärgerlicher für Bertelsmann-Chef Mark Wössner dürften allerdings mögliche weitere Konsequenzen aus einer Annäherung zwischen CLT und Murdoch werden. Denn Wössner muß befürchten, daß der gemeinsame Einstieg ins digitale Fernsehen Murdoch die Tür öffnet, um sich an der CLT zu beteiligen. Murdoch, der im Fernsehgeschäft bereits mit Erfolg in Australien, Asien, den Vereinigten Staaten und Großbritannien mitmischt, zieht es mit Macht auf den europäischen Kontinent, vor allem auf den lukrativen deutschen Markt. Die CLT, kein Zweifel, spielt für die Zukunft des europäischen TV-Marktes eine wichtige Schlüsselrolle.

Diesen Part möchte freilich auch Bertelsmann endlich spielen. Europas größter Medienkonzern nämlich ist im zukunftsträchtigen Fernsehgeschäft bisher ein Zwerg. Lediglich zehn Prozent steuern die TV-Aktivitäten zum Umsatz bei. Die notwendige Internationalität ist so gut wie nicht vorhanden.

Im Dezember vergangenen Jahres hat deshalb der ostwestfälische Konzern gemeinsam mit Canal Plus und dessen größtem Anteilseigner, der französischen Werbe- und Medienfirma Havas, einen Vorstoß unternommen, um selbst die Kontrolle über die CLT zu gewinnen. Insgesamt drei Milliarden Mark soll das Trio für die CLT-Mehrheit geboten haben.

Voraussetzung für eine Neuordnung bei der CLT wäre allerdings, daß der bisherige Mehrheitsaktionär, der belgische Großunternehmer Albert Frère, sich zurückzieht. Doch der ehemalige Schrotthändler aus der Provinzstadt Charleroi, der nichts mehr haßt als Publizität, hat bisher kein Signal gegeben, daß er sich von seinem Engagement bei der CLT trennen will. Über Verhandlungen mit Murdoch über einen Einstieg ins Pay-TV-Geschäft wird dagegen schon länger spekuliert. Es könnte aber sein, so die Hoffnungen der Gütersloher, daß Frère mit seinem begehrten CLT-Paket pokert, um den Preis zu treiben. Bei Bertelsmann geht man jedenfalls davon aus, daß das bisherige Angebot "nicht das letzte Wort" sei.

Die CLT ist für die Bertelsmänner nicht nur wichtig für die Internationalisierung ihres TV-Geschäfts, sondern auch, weil die Luxemburger beim größten deutschen Fernsehsender RTL das Sagen haben. Der Kölner Kommerzkanal, eine CLT-Gründung, ist der wichtigste Stein im Medienhaus des Großherzogtums, er steuert allein sechzig Prozent zum Ertrag bei. Schon seit längerem versucht Bertelsmann - selbst Anteilseigner bei RTL - der CLT die Macht in Köln zu entreißen. Gemeinsam mit dem Essener WAZ-Konzern ist es Bertelsmann zwar gelungen, die Mehrheit der RTL-Anteile zusammenzukaufen, ausüben können sie die Macht freilich nicht. Denn die CLT reklamiert ein Vorkaufsrecht für sich. Voraussichtlich im März wird sich das Landgericht Hamburg mit dem Rechtsstreit befassen.