Er war immer dabei. In Mainz, in Bonn, in Hannover. Er war der Schatten, der verhaßte ständige Schatten, der den Anblick des Parteivorsitzenden verdunkelte. An ihm ist Rudolf Scharping gescheitert, nicht erst in Mannheim. In Wahrheit hat er ihm nie eine Chance gelassen. Es mögen ungezählte Nächte gewesen sein, in denen der Unglückliche schwor: Ich werde mich von dir trennen. Du bist schuld, daß man mich auslacht, du machst mich zur Witzfigur. Es gab sogar Momente, da wollte Scharping bis zum Äußersten gehen - und Hand anlegen.

Er konnte es nicht.

Hätte er am nächsten Tag noch in den Spiegel schauen können? Rudolf Scharping war zu weich, ihm fehlte die Härte, die Widerborstigkeit dessen, den er loswerden wollte. Und überhaupt: Mußte er nicht beweisen, daß er es trotz aller Warnungen weiterhin mit ihm aushalten würde? Wer hatte sich nicht schon alles am ihm gerieben! Und da sollte ausgerechnet er, der sich selber als langsam wachsendes Holz bezeichnete, vorzeitig aufgeben?

Er unterschätzte allerdings, daß auch der andere wuchs. Und zwar stündlich. Gut, gelegentlich wurde er ein bißchen gestutzt, aber es dauerte nicht lange, und er war wieder da. So kam es, daß Rudolf Scharping zur Jahreswende das Ungeheuerliche wahr machte.

Er griff zum Messer. Ganz behutsam ging er ans Werk. Jetzt, wo die Entscheidung gefallen war, galt es, die Befreiung auszukosten, zu genießen bis in die letzte Haarwurzel.

Vergangene Woche fand er die Kraft zum finalen Schnitt. Jetzt ist er ihn ganz los. Bartlos blickt Rudolf Scharping in eine ungewisse Zukunft.