Gerd Bucerius, der Verleger der ZEIT, feierte den liebenswürdigen Professor Gyula Trebitsch an dessen 65. Geburtstag als Medienfabrikanten. Inzwischen etwas über achtzig Jahre alt, schaut Gyula Trebitsch heute von seiner Hamburger Wohnung auf die zugefrorene Alster und wird den Teufel tun, etwas Kritisches über die ZEIT zu sagen. Warum sollte er? Seit der gebürtige Ungar Ende der vierziger Jahre an die Elbe kam, liest er das Blatt und schätzt es. In seinem gepflegten Paprikadeutsch zählt er die Vorzüge auf: Meinungen stehen nebeneinander, nichts wird oktroyiert, keine Häme und nichts Spekulatives, ein breites Angebot von Informationen. "Doch dies alles in einer Woche aufzuarbeiten gelingt leider nicht." Aber das sei, bitte, nicht falsch zu verstehen, keine Beschwerde.

Ist es die Gelassenheit des Alters, die den Film- und Fernsehproduzenten Trebitsch das Blatt so liebevoll betrachten läßt? Ohne Zweifel rechnet er sich zu der "Gemeinde" der ZEIT und schätzt die Autoren des Blattes, "auch wenn ich mit Sommer nicht immer einer Meinung bin". Für ihn, den älteren Herrn, ist die ZEIT alles andere als ein altmodisches Blatt: "Wieso? Sie zeigt doch jede Woche ein neues Gesicht." Gehören farbige Photos in die Zeitung? Da überlegt er lange: "Wer kann schon dagegen sein. Es schadet nicht!"

Alexander G. Garcia studiert lateinamerikanische Wissenschaften in Köln. Den örtlichen Stadt-Anzeiger kauft er sich freitags wegen des Kinoprogramms und der Termine, die Süddeutsche donnerstags wegen der Seiten Umwelt, Natur und Technik. Die ZEIT hat sein Vater ihm abonniert. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, scheint er zu meinen, denn er bleibt höflich im Unbestimmten. Die Computerseite liest er als erstes, wenn ihn denn die Themen interessieren. Er blättert durch und entscheidet an den Überschriften, ob er weiterlesen will. Auf den politischen Seiten, sagt er, fessele ihn so gut wie nie etwas, da sei ihm die Süddeutsche informativer. Im Feuilleton liest er die Buchrezensionen und Benjamin Henrichs, "nur weil der so gut schreibt" - ins Theater geht er nie. Filmkritiker Andreas Kilb liest er grundsätzlich nicht, obwohl oder gerade weil er leidenschaftlicher Kinogänger ist. Im Modernen Leben schätzt er die kleinen Gerichtsberichte und die Ecke über die CDs. Die Zeitläufte vermißt er. Im übrigen hat er sich an das Geschenk gewöhnt und würde die Zeitung gelegentlich wohl auch selbst kaufen, stornierte der Vater das Abo. "Gelegentlich - sie ist ja so dick! Wie teuer ist sie eigentlich? Drei Mark fünfzig?"

Tochter und Sohn sind aus dem Haus, sie liest die Woche, er die Frankfurter Rundschau. Ihre Mutter hat es nicht geschafft, die Kinder an die ZEIT zu gew"hnen. "Zu lang, die Artikel", sagen sie und lassen die Mutter mit dem Papierpaket aus Hamburg allein. Jeden Donnerstag bl"ttert sie es durch und entscheidet an den berschriften, ob sie sich am Wochenende auf die Lekt re einl"át. Computerseite und Wirtschaft läßt sie außen vor, dafür folgt sie Andreas Kilbs Ratschlägen, in welchen Film sie gehen soll. Sie arbeitet in einem Krankenhaus, und eigentlich ist ihr das Abonnement zu teuer, "aber man hat sich halt so gewöhnt". Eine bescheidene Bitte äußert sie: "Kann man die oft ellenlangen Artikel nicht etwas straffen? Es ist manchmal doch recht mühselig . . ."

"Solange ich denken kann, lese ich sie", sagt die Worpswederin und wird dann auch gleich recht deutlich: "Also, ich wünschte mir, sie würde wieder so liberal und unabhängig wie früher. Zu parteiisch ist sie, und oft denke ich, daß manche der offenbar noch jungen Schreiber mit ihren Urteilen viel zu schnell bei der Hand sind." Sie hat ein genaues Bild der Autoren vor Augen, einer, sie nennt den Namen nicht, schreibe so abstrakt, daß sie ihn fortan nicht mehr lese. Sommers Berichte aus Mostar und dem Kosovo seien ihr hilfreich gewesen, das Feuilleton, als es "ellenlang" über die Berliner Theatersaison berichtete, war ihr ein Ärgernis. Kurz: "Manchmal genieße ich sie, und manchmal habe ich überhaupt nichts von ihr."

Michael Kirchner und die ZEIT haben etwas gemeinsam: Beide feiern am 21. Februar Geburtstag; der Chemiestudent aus Essen wird an diesem Tag 25 Jahre alt. Das Abo hat ihm vor zwei Jahren seine Großmutter geschenkt. "Sie hat die Zeitung selbst immer gern gelesen und Kommentare an den Rand geschrieben", erinnert sich Kirchner, der das Blatt beim wöchentlichen Sauna-Abend liest. So wie die Lektüre profundes Hintergrundwissen vermittele, erfordere sie solches allerdings auch, findet er.

Gelernt hat er Tischler, heute ist André Bathe bei der Feuerwehr in Gütersloh. Da ist der 24jährige Brandmeisteranwärter zwar als Leser des Hamburger Blattes ganz allein, und immer wieder wundern sich Kollegen, worin er denn da blättere. Gelegentlich greift dann aber doch einer zu und scheint interessiert zu sein. Mit dem Magazin, glaubt André Bathe und denkt da an seine Kumpels, müsse man doch leicht neue Leser gewinnen.