MAGDEBURG. - Manchmal gibt es solche Tage. "Ein Aufbruch zu neuen Ufern, eine richtig pioniermäßige Stimmung" habe an diesem Abend in der Luft gelegen, erzählt Museumsdirektor Matthias Puhle. Am Ende seines Vortrages über die Ottonen-Ausstellung anläßlich der Expo 2000 vor dem Förderverein Bundesgartenschau 1999 hat sich dieser dann noch am selben Abend spontan in einen Bürgerverein umgewandelt, der die kulturellen Belange der Landeshauptstadt unterstützen will. Die ersten Projekte, die man ins Auge faßte, sind die Ausstellung über den ersten deutschen Kaiser, Otto I., und die Ausgrabung der Reste seiner Kaiserpfalz aus dem 10. Jahrhundert, die noch unter dem Domplatz liegen.

Diese Idee ist nicht ganz neu, denn schon 1968 wurde die etwa 45

45 Meter große Anlage freigelegt - hauptsächlich das Fundament und Bodenverfärbungen sind noch vorhanden - und genau dokumentiert. Um die Anlage jedoch vor dem Verfall zu schützen, bedeckten sie die Archäologen wieder mit einer Plane und schütteten Erde darauf. In einem 1993 von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb griffen einige Stadtplaner dann die Idee einer Ausgrabung wieder auf.

Für Museumsdirektor Matthias Puhle ist die Lösung klar: Die Kaiserpfalz muß wiederausgegraben und für die Bürger aufbereitet werden. "Die Kaiserpfalz Ottos I. war einer der größten und erhabensten Profanbauten des frühen Mittelalters, vergleichbar nur noch mit der Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen und dem Theoderichpalast in Ravenna", erklärt Matthias Puhle. Viele Städte, wie Nürnberg, Gelnhausen, Goslar oder Braunschweig hätten die Spuren der frühen Kaiserzeit dokumentiert. Jetzt sei es an der Zeit, auch an Magdeburg zu erinnern.

Doch gegen eine Ausgrabung der Anlage erheben die Landesämter für Archäologie und Denkmalschutz Bedenken. "Die Reste, die zu sehen sind", erklärt der Landeskonservator Gotthard Voß, "sind in der Aussage gar nicht so stark, daß sie vorzeigbar wären." Eigentlich erschlössen sie sich nur dem Fachmann. "Außerdem wäre die Anlage dann für die spätere Forschung verloren", meint der oberste Denkmalschützer, "weil durch die Besucher immer wieder Steine herausbrechen, die dann durch Nichtoriginale ersetzt werden müßten." Einzig eine Kennzeichnung des Umrisses, etwa durch farbige Steine auf dem Pflaster, hält der Landeskonservator für realisierbar. Nun will der Kultusminister die Streitenden einladen und mit ihnen nach einem Kompromiß suchen.