Es wird wohl mit der Person des Ingo Kober, seit kurzem Präsident des Europäischen Patentamtes, zu tun haben, wenn der neue Chef als ersten Erfolg seiner kurzen Amtszeit verkündet, daß die Patentanmeldungen aus Europa im vergangenen Jahr deutlich zugenommen haben. In einer von Wirtschaftskrisen geschüttelten Welt ist offenbar schon ein leichtes Plus bei den Patenten ein Strohhalm, an den man sich voller Hoffnung klammert.

Dennoch darf man nicht vergessen, daß aus der Zu- oder Abnahme von Patentanmeldungen nur sehr bedingt Rückschlüsse auf die Innovationskraft einer Volkswirtschaft gezogen werden können. Weil die Halbwertzeiten heutiger Erfindungen gerade auf dem Sektor von Zukunftstechniken immer kürzer werden und Neuheiten schneller veralten, als sie erfunden werden, verzichten viele Erfinder auf die Anmeldung ihrer Patente. Worauf es bei Erfindungen heute ankommt, ist nicht deren Registrierung, sondern deren rasche Umsetzung in marktfähige Produkte. Daran aber hapert's in Europa vor allem, und daran kann auch Ingo Kober nichts ändern.