Ach, was sind wir Frauen doch für verhuschte, lebensuntüchtige Mäuschen. Zwar durchaus in der Lage, unser Geld zu verdienen. Oder für unseren Dienstherrn auch mal Wichtiges abzuwickeln. Ja sogar fähig, unserem eigenen und wenn auch noch so kleinen Unternehmen vorzustehen. Aber ohne größere Probleme geschäftlich auf Reisen zu gehen, traut uns, scheint es manchmal, nicht jeder zu. Bräuchten wir sonst die guten Ratschläge, die uns immer mal wieder gedruckt und broschürt zuteil werden?

Nur weil einige von uns bei Umfragen dezidiert äußern, daß es ihnen auf den Nerv geht, in der Hotelbar angemacht oder vom Ober miserabel plaziert zu werden, und daß sie es hassen, allein in der Hotellounge zu hocken, erhalten wir also gute Tips, was wir beachten müssen. Diesmal von American Express. Anstatt mal ein Merkblatt auszuteilen, das Geschäftshotels empfiehlt, genug Bügel für Röcke in den Schrank zu hängen und ihr Personal besser auf den kultivierten Umgang mit Damen zu drillen.

Die Broschüre hält in der Tat manch überaus weisen Rat parat. Denn auf einige Dinge kommen wir selbst beim intensivsten Nachdenken nicht: zum Beispiel, daß wir "jeden unserer unbenutzten Traveller Cheques wegschließen" und uns tunlichst nicht "zu Geschäften mit Geldwechslern auf dem Schwarzmarkt" verführen lassen. Daß wir uns ordentlich anziehen müßten, wenn wir ernst genommen werden wollen, nie würde uns so was in den Sinn kommen. Daß wir "in islamischen Ländern keinen Schnaps als Geschenk" mitbringen. Daß wir "zweimal überlegen sollen zu fighten", wenn uns jemand an die Handtasche will. Ohne fremde Hilfe hätten wir all dies garantiert nie beachtet. So sind wir auch von Herzen dankbar für so wertvolle Hinweise, kein Zimmer am dunklen Ende des Korridors zu wählen, nur in lizensierten Taxis zu fahren und ins Restaurant eine Zeitschrift mitzunehmen, damit wir nicht Däumchen drehen, bis das Essen serviert wird.

Aber, so fragen wir uns, mögen es eigentlich die Herren Business-Traveller, abends allein beim Essen in der Ecke zu sitzen, nachts ihr Auto in dunklen Tiefgaragen zu parken oder für Mietwagen und Zimmer den vollen Preis zu zahlen, statt vom günstigsten Sonderangebot zu profitieren? Alle Tips, dem zu entgehen, sind ebenso wertvoll - wie geschlechtsneutral.

Daß Männern nicht so viel wohlmeinende Hilfe zuteil wird, könnte es vielleicht daran liegen, daß sie selbst nur selten ihre Reise organisieren? Die passenden knitterarmen Hemden und Jackets, sorgfältig zwischen Seidenpapier geschichtet, packt ihnen die Gattin ein, sie achtet auch darauf, daß sie das kleine Handgepäck mit dem Nötigsten griffbereit haben, falls der Koffer verlorengeht. Daß der Mietwagen bereitsteht oder die Limousine, die ihn vom Airport abholt, dafür sorgt ohnehin seine Sekretärin.

Und darum sind wir hilflosen Frauen auch immer mal wieder froh über ein kleines Merkheft, das uns an die wichtigsten Reisetips erinnert. Männer, habt Dank!