Ein kaum bekannter, fundamentalistischer Anwalt aus Damanhour, einer Stadt 130 Kilometer nördlich von Kairo, hat vor ein paar Monaten Yusra, eine der bekanntesten ägyptischen Filmschauspielerinnen, verklagt. Am 22. Februar beginnt in Damanhour der Prozeß gegen den Kinostar. Das italienische Wochenmagazin L'Espresso hat über den Fall berichtet und mit der Schauspielerin gesprochen.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat die neununddreißigjährige Yusra um die hundert Filme gedreht. In "Vögel der Dämmerung" spielt sie eine Prostituierte. Aus diesem Film stammt das wegen "Obszönität" inkriminierte Photo. Die nackten Schenkel der Schauspielerin sind aber wohl nur der offizielle Grund zur sittlichen Empörung. In Wahrheit dürfte vor allem der Inhalt des Films die Wut der Fundamentalisten erregt haben: "Vögel der Dämmerung" wendet sich offen gegen fundamentalistische Anwälte, die gegen alle und jeden Prozesse wegen unislamischen Verhaltens anstrengen.

Etwa einhundertvierzig derartige Verfahren gegen ägyptische Intellektuelle sind derzeit bekannt. Das schafft in Universitäten, Redaktionen, Theatern und einschlägigen Cafés ein Debatten erstickendes Klima der Verdächtigung und Bespitzelung. Wo ehemalige atheistische Kommunisten zu fanatischen Wortführern des islamischen Fundamentalismus werden, da traut kaum noch einer dem anderen.

Der Glaubenseifer der Aktivisten begnügt sich nicht immer mit Denunziationen und Prozessen: Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfuz überlebte knapp ein Attentat, der Schriftsteller Farag Foda wurde umgebracht.

Der Fall Yusra wird eine wichtige Machtprobe zwischen islamischen Fanatikern und dem aufgeklärten Ägypten werden. Diesmal geht es gegen eine von den Massen geliebte Schauspielerin, nicht gegen mehr oder weniger bekannte Hauptstadtintellektuelle. Noch mehr Niederlagen der Laizisten wird das Land nicht vertragen. In ihrem Gespräch mit Dina Nascetti in L'Espresso erklärte die Schauspielerin: "Ich mache weiter wie bisher. Es geht dabei nicht nur um mich. Seit Jahren zielen die Fanatiker auf Schriftsteller, Drehbuchautoren, Theater-, Filmregisseure und Sänger. Sie wollen eine Gesellschaft der Dunkelmänner. Dagegen kämpfe ich."