BELFAST. - Die Geschichte lehrt, daß der Weg zum Frieden oft sehr verschlungen ist. Er ist zudem steinig und birgt ungeheure Herausforderungen. Gerade wenn er am Tiefpunkt angelangt ist, verlangt er von allen Beteiligten großen Mut und viel Phantasie. Heute ist dieser Moment gekommen. Der Zusammenbruch des achtzehn Monate währenden Waffenstillstands der Irisch-Republikanischen Armee löste überall Enttäuschung und Bedauern aus. Meine Gedanken sind bei den Familien, deren Angehörige vor zwei Wochen bei der Explosion in London getötet und verwundet wurden. Ich verstehe ihre Trauer, denn ich selber habe viele Verwandte, Freunde und Kollegen in den 25 Jahren voller Kampf und Gewalt verloren. Der Schmerz durchdringt das Leben vieler Menschen in Nordirland. Er erfüllt unser Verlangen nach Frieden mit nie zuvor erlebter Dringlichkeit.

Wir alle müssen über unsere Teilhabe am Friedensprozeß nachdenken. Die Verantwortung für die tragische Explosion in London liegt eindeutig bei der IRA, aber die Schuld für den Zusammenbruch der Gespräche trägt allein die Major-Regierung.

Wir müssen neu damit beginnen, die Waffenruhe und einen wirklichen Friedensprozeß wiederherzustellen, der zu einer totalen Abrüstung aller bewaffneten Gruppen führt, der die Waffen für immer aus dem politischen Spiel Irlands entfernt und eine dauerhafte politische Lösung schafft. Um dies zu erreichen, müssen wir uns alle sputen.

Wir schlagen vor, daß die britische und irische Regierung unverzüglich einen Termin für Gespräche nennen, die ohne Vorbedingungen, mit einer umfassenden Tagesordnung und unter Beteiligung aller Parteien geführt werden.

Ich bin bereit, mit der IRA zu sprechen. Doch sie wird nur dann dazu zu bringen sein, die Waffenruhe zu akzeptieren, wenn das im Zusammenhang mit einem umfassenden Friedensprozeß geschieht. Der Friedensprozeß ist das Mittel zum Zweck, das Ende ist eine faire Übereinkunft.

Fast anderthalb Jahre lang haben die Waffen in Irland geschwiegen. Achtzehn Monate lang standen wir am Verhandlungstisch und warteten darauf, daß die britische Regierung und die Unionisten ihre Sitze einnähmen. Doch sie sind nie gekommen. Statt dessen bestimmten neue Vorbedingungen, Verzögerungen und Ausweichmanöver die Reaktion der Major-Regierung auf diese historische Chance. Das öffentliche Versprechen der beiden Regierungen, die Gespräche zu beginnen, wurde von der britischen Regierung nie erfüllt. In den sechs Counties Nordirlands gab es keinen Frieden. Menschenrechtsverletzungen und Gewaltakte blieben an der Tagesordnung. Politische Gefangene schmachten weiterhin in den Gefängnissen.

Doch immer noch warteten die Menschen hoffnungsvoll auf die versprochenen Verhandlungen. Aber Großbritannien wich aus und verlangte schließlich von der IRA die Abgabe aller Waffen - vor dem Beginn der Verhandlungen. Die internationale Kommission, die von der britischen und der irischen Regierung einberufen worden war und die vom ehemaligen US-Senator George Mitchell geführt wird, lehnte die Entwaffnung als Vorbedingung ab. Daraufhin stellte die britische Regierung eine neue Vorbedingung - Wahlen.