Schmerzlich, aber wertvoll sei die Erfahrung - so sieht heute die Deutsche Shell die Auseinandersetzung um die Ölplattform Brent Spar vom vergangenen Jahr. Dabei konnte der Konzern die wohlfeile Wut der Autofahrer wahrlich verschmerzen: 1995 erreichte er mit weit über vier Milliarden Pfund das beste Nettoergebnis seiner Geschichte. Nur die Deutsche Shell mußte geringe Marktanteilsverluste hinnehmen. Der sommerliche Aufruhr hierzulande war für den Weltkonzern eben doch nur "ein lokales Ereignis", wie es in der deutschen Zentrale heißt.

Soviel zum Schmerz - aber worin besteht die wertvolle Erfahrung? Shell will mit einer neuen Kommunikationsstrategie einzelne Medien differenziert ansprechen und seriöse Umweltorganisationen stärken. Für das Ogoni-Volk in Nigeria dürfte da wenig abfallen. Es ist nicht die Zielgruppe der neuen, differenzierten PR-Strategie: In Nigeria verläuft die Kommunikation eher nonverbal. Dabei wäre es nicht nur human, sondern auch klug von dem Öl-Multi, die schwarzen Bewohner seiner Förderstätten nicht schlechter zu behandeln als die weißen Käufer seines Benzins. Doch nicht immer wird man aus Schaden klug - manchmal auch nur gerissen.