Neuen Mut gab ihm seine heutige Lebensgefährtin Gaby Barth, die er während seiner Rehabilitation in einer Spezialklinik kennenlernte. Sie unterstützte ihn auch, als er bald nach seiner Entlassung schon wieder eine neue Expedition plante: Diesmal mit einem eigens entworfenen Gefährt, dem "ersten Höhlen-U-Boot der Welt", wie Hasenmayer stolz betont. Ein Freund, der Orgelbauer Konrad Gehringer, schraubte das Wunderding zusammen. Der 72 Zentimeter schmale "Speleonaut" läßt sich mit neun Motoren perfekt manövrieren, für den Notfall sollen zwei Rückentorpedos den gelähmten Steuermann heil an die Wasseroberfläche zurückbringen.

Mit dieser schwäbischen Meisterleistung begann am vergangenen Sonntag die "innere Raumfahrt" Hasenmayers in den Blautopf. Doch diesmal war das Abenteuer schnell beendet. Schon nach achtzig Metern habe er eine "geologische Sensation" entdeckt, verkündete der Höhlenforscher. Noch am Sonntag abend forderte er im U-Boot sitzend vor laufenden Kameras den Präsidenten des Geologischen Landesamtes auf, die alten Gutachten zurückzuziehen, "um damit den Weg frei zu machen für eine saubere Energiezukunft Süddeutschlands".

Der langjährige Zwist mit den Geologen entzündet sich vor allem am Alter der Blautopfhöhle. Nach herrschender Lehrmeinung ist sie vor etwa 250 000 bis 500 000 Jahren entstanden und wird als Ausfluß in das südwestlich gelegene Donautal gedeutet. Hasenmayer glaubt dagegen, daß die Höhle bis zu hundert Millionen Jahre alt ist. Träfe diese Datierung zu, dann müßte das Wasser der heutigen Blautopfhöhle ins damalige Mittelmeer geflossen sein. Als sich die Alpen auffalteten, wurde der Jurakalk nach und nach in die Tiefe gedrückt - mitsamt der riesigen, darin gespeicherten Wasservorräte, wie Hasenmayer vermutet.

Eckard Villinger, der leitende Geologe im Freiburger Landesamt, hält von dieser Theorie "gar nichts". Schließlich spreche die gesamte geologische Situation gegen die angeblichen Heißwasserthermen. "Die Schwäbische Alb war damals ganz flach", meint der Karstexperte - doch zur Höhlenentstehung gehöre nun einmal ein entsprechender Höhenunterschied. Außerdem habe man in dem fraglichen Gebiet fast 150 Tiefbohrungen niedergebracht. "Wir hatten von 1984 bis 1989 sogar ein Forschungsprogramm und haben mit großem Aufwand untersucht, ob da Warmwasservorkommen zu finden wären", klärt Villinger geduldig auf. Das Ergebnis? "Es kam nichts heraus."

Im Laufe der Jahre hat der Freiburger Geologe fast so etwas wie eine Haßliebe zu dem Taucher entwickelt. "Ich bewundere Hasenmayers ungeheure Energie, mit der er für diese Sache kämpft", sagt Villinger und ist dennoch überzeugt: "Er wird keine Beweise finden, und wenn er noch zwei weitere Mörike-Dome entdeckt." Schließlich tauche Hasenmayer in die falsche Richtung, nämlich weg vom Alpenvorland nach Nordwesten.

Just dort glaubt der Pforzheimer Taucher nun aber ein entscheidendes Beweisstück gefunden zu haben: Vor dem Hauptgang der Höhle, im sogenannten Notausgang, hat er ein tief eingeschürftes Bachbett entdeckt, dessen Felsränder noch so scharfkantig waren, "als hätte der Höhlenbach sie erst gestern in den Fels geschliffen". Hasenmayer, der die Datierung des Geologischen Landesamtes von 200 000 Jahren zugrunde legt, folgert daraus, daß das Gestein dort so beschaffen ist, daß es in dieser Zeit kaum abgetragen wurde. Daher habe auch die Entstehung des fünf Meter breiten Hauptganges wesentlich länger gedauert, als die Schreibtisch-Geo-logen behaupten. "Dieses Mal ist die Haltlosigkeit der amtlichen Spekulation naturwissenschaftlich direkt beweisbar", trumpft der Höhlenforscher auf.

Ob man sich im Geologischen Landesamt von einigen scharfen Kanten überzeugen läßt? Eckard Villinger bringt das jedenfalls vorerst nicht aus der Ruhe. "Das erste Teilstück ist ja wesentlich jünger als der Hauptgang, das darf ruhig scharfkantig sein", bewahrt der Freiburger Haltung. "Ich werde mich deswegen nicht da runter begeben, das ist mir viel zu gefährlich", erweist Villinger unvermutet dem Widersacher seine Reverenz.