Ostern naht. Aber die Vorfreude der Eierbranche hält sich in Grenzen. Der Appetit der Verbraucher läßt zu wünschen übrig. Kein Wunder. Ein Eierskandal jagt den nächsten. Vier Wochen sitzt Hühnerbaron Anton Pohlmann nun schon da, wo seine Hennen ihr ganzes Leben verbringen müssen: hinter Gittern. In den Knast gebracht hat den einstmals größten Eierproduzenten Europas aber nicht etwa die Käfighaltung, sondern die Klage eines früheren Mitarbeiters. Fikret Özdemir war gezwungen worden, in den Hühnerställen ein ätzendes Nikotin-Wasser-Gemisch zu versprühen. Bei der Arbeit mit dem verbotenen Desinfektionsmittel fiel der Mann in Ohnmacht und zog sich Vergiftungen zu, die ihn fast das Leben gekostet hätten. Schwere Körperverletzung, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Das Sündenregister des gelernten Bäckers war vorher schon lang genug: Er ließ Hühnergülle ins Trinkwasserschutzgebiet kippen, Schwarzbauten hochziehen und Frischedaten fälschen. Selbst der Discounter Aldi folgte schließlich einem Boykottaufruf des Tierschutzbundes. Die Branche atmete auf, als Pohlmann sich schließlich Anfang Februar entschloß, seine 28 deutschen Hühnerfarmen zu verkaufen und seine Aktivitäten vollends in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Lange genug hatte der Hühnerbaron mit seinen dreisten Machenschaften dem Image der Eierbranche geschadet. Und so konnte Pohlmann auch nur mit wenig Mitleid der Konkurrenz rechnen, als ihn die Staatsanwaltschaft Oldenburg schon wenige Stunden nach dem Besitzerwechsel festnehmen ließ, um drohende Fluchtgefahr zu bannen.

Doch viel Zeit, das getrübte Eierimage aufzupolieren, blieb den Pohlmann-Nachfolgern nicht. Knapp drei Wochen nach der Verhaftung des Branchenbösewichts geraten sie nun selbst in die Schlagzeilen: In Baden-Württemberg ist in Eiern aus Niedersachsen das verbotene Tierarzneimittel Ronidazol festgestellt worden, das noch bis Januar für die Putenmast zugelassen war, seither aber im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen und die Erbanlagen zu verändern.

"Gut von Lehmden - das neue Ei", steht auf den Packungen. Paul von Lehmden ist einer der neuen Anteilseigner der Pohlmann-Farmen. Kurz: Die Eier stammen von einem Betrieb der Eifrisch GmbH in Lohne, an der von Lehmden beteiligt ist. Diese Gesellschaft hält wiederum knapp ein Drittel der Anteile bei der Deutschen Frühstücksei GmbH - jenem Konzern, der die 4,5 Millionen Pohlmann-Hühner übernommen hat und damit zum neuen Marktführer aufgerückt ist.

Laut Packung sind die Eier aus Niedersachsen ganz besonders hochwertig. Freilaufende Hühner sollen sie gelegt haben. Damit waren sie dreimal so teuer wie Eier von Käfighühnern. Die nämlich sind immer mehr zur Ramschware geworden.

Nicht mal sieben Pfennig zahlten die Handelsketten im vergangenen Jahr für ein Ei aus der Legebatterie. Die Bilanz ist mager: Wenn es ein Käfighuhn in seinem Leben auf knapp 300 Eier bringt, dann beschert es seinem Besitzer für seine Lebensleistung auch in besseren Jahren nicht sehr viel mehr als bescheidene dreißig Mark. Zwölf bis fünfzehn Monate muß es dafür gefüttert, getränkt, müssen die Ställe beheizt und beleuchtet werden. Für Tierschutz bleibt da kaum Raum. Nur die Masse bringt's. Wer mit Eiern Millionen machen will, muß Milliarden davon auf den Markt werfen.

Eine Handvoll Hühnerhalter teilt sich Dreiviertel des nationalen Marktes. Fast vierzehn Milliarden Eier wurden im vergangenen Jahr auf deutschem Boden gelegt. Und aus den Niederlanden kamen noch einige Milliarden dazu - das westliche Nachbarland produziert dreimal soviel Eier, wie es selbst verbraucht.