Doch hierzulande ist der Eierverbrauch rückläufig. Weil das Angebot deutlich höher war als die Nachfrage, konnten die großen Supermarktketten den Erzeugerpreis im vergangenen Jahr auf den Stand von 1970 drücken.

"So mancher mittelständische Betrieb ist bei dem Preiskrieg auf der Strecke geblieben", sagt der Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes der Geflügelwirtschaft, Hans Stallkamp. Jedes dritte deutsche Ei wird in Niedersachsen gelegt. Die meisten Hühnerställe finden sich im Südoldenburgischen, dem Zentrum der Massentierhaltung, der Heimat Anton Pohlmanns. Von 14,4 Millionen niedersächsischen Hennen gackern 11,6 Millionen im Regierungsbezirk Weser-Ems. Rund vierzig Prozent aller Eiererzeuger stellten hier in den vergangenen zehn Jahren den Betrieb ein.

Die Großen werden immer größer. Heidegold, Goldei, Gutshof-Ei und Eifrisch - das sind die klingenden Namen der Marktführer, deren Firmen teilweise auch noch untereinander verflochten sind. Das derzeit größte Geflecht der deutschen Eierwirtschaft ist nun die Deutsche Frühstücksei GmbH, die für gut 3oo Millionen Mark die deutschen Legehennen Pohlmanns übernommen hat. Das Bundeskartellamt ist bereits hellhörig geworden.

Im Management des Pohlmann-Nachfolgebetriebes hat sich nur wenig geändert. Aloysius Grote, einst Geschäftsführer des Hühnerbarons, zieht nun auch die Fäden in dem neuen Imperium. Und vier Pohlmann-Hühnerfarmen in Bayern mit weit über 600 000 Hennen sind sowieso im Familienbesitz geblieben. Pohlmann junior ist der neue Herr der Hühner: Stefan Pohlmann, der eine Weile gemeinsam mit seinem Vater in Untersuchungshaft saß, ist mittlerweile aber wieder gegen Kaution auf freiem Fuß.

Die Hühner bleiben derweil in ihren Käfigen. "Gern würden wir mehr Boden- und Freilandhaltung machen", sagt Geschäftsführer Walter Peuker, der gleichzeitig bei Eifrisch die Geschäfte führt. Die Gewinnspanne sei da viel größer. Doch der Markt lasse dies leider nicht zu. Die Zahl der Verbraucher, die bereit seien, tiefer in die Tasche zu greifen, halte sich in Grenzen.

In der Tat. Allen Tierschutzkampagnen zum Trotz gehen Billigeier immer noch am besten. An den Haltungsformen hat sich folglich so gut wie nichts geändert: Rund 94 Prozent aller deutschen Legehennen werden in Käfigen gehalten. Nur 4,4 Prozent der Eiererzeuger dagegen setzen auf Boden- und nur ganze 0,9 Prozent auf Freilandhaltung.

In der Regel sitzen vier bis fünf Hennen pro Käfig zusammengepfercht auf schrägen Drahtgitterböden und teilen sich etwa den Raum dieser Zeitungsseite. Sie können weder scharren noch flattern, weder kratzen noch laufen. Und wenn ihre Legeleistung nach zwölf bis fünfzehn Monaten abnimmt, dann werden sie in Kisten gestopft und zum Schlachthof befördert. Daß ihnen bei dem Transport Flügel und Beine brechen, schert niemanden. Mit Suppenhühnern ist ohnehin kein Geschäft zu machen.