Mit nichts tun sich die Finanzexperten derzeit so schwer wie mit Zinsprognosen. Für die einen läßt sich der Preis des Geldes nicht mehr weiter senken, andere wollen mitnichten an eine Zinswende glauben. Sicher scheint nur eines: Unabhängig davon, ob der Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank Diskont- und Lombardsatz noch einmal zurücknimmt - für den Anleger wird es vorerst schwierig bleiben, lohnende Sparformen zu finden. Die durchschnittliche Umlaufrendite öffentlicher Anleihen liegt bei mageren sechs Prozent, zehnjährige Bundespapiere rentieren kaum höher.

Wer an deutschen Bankschaltern nach Festverzinslichen mit höherer Rendite fragt, findet sich daher schnell auf ausländischen Kapitalmärkten wieder. Bis zu acht Prozent erzielen zum Beispiel Fremdwährungsanleihen aus Irland, Schweden und Italien, gar dreizehn Prozent lassen sich mit australischen Bonds einstreichen. Auf den ersten Blick verlockende Aussichten. Doch den Zinsvorsprung gegenüber deutschen Papieren bekommt der Anleger natürlich nicht umsonst: Einerseits besteht ein höheres Bonitätsrisiko, andererseits verlangt das Währungsrisiko vor allem bei Anleihen aus Schwachwährungsländern starke Nerven.

Zumindest die Sorge um das Wechselkursgefüge läßt sich ausschließen - mit sogenannten DM-Auslandsanleihen. Emittenten, die im Ausland sitzen, legen diese Papiere auf Mark-Basis auf: Tochtergesellschaften deutscher Banken und Unternehmen, ausländische Firmen, die Regierungen von Industriestaaten wie auch Entwicklungsländern sowie internationale Institutionen wie die Weltbank oder die Europäische Investitionsbank. Üppigere Zinskupons bieten jene Länder, die an den internationalen Kapitalmärkten nicht gerade einen erstklassigen Ruf genießen. So locken zum Beispiel Venezuela, Argentinien und Brasilien mit Zinsscheinen von neun oder zehn Prozent. Ähnliche Konditionen bieten Länder wie Ungarn oder die Türkei.

Im Börsenjargon werden DM-Auslandsanleihen aus diesen Regionen gelegentlich Junk-bonds, also Schrottanleihen genannt. Das zweifelhafte Renommee kommt nicht von ungefähr. Zwar entfällt das Währungsrisiko. Das hat jedoch nichts mit Anlegerschutz zu tun: Ausländische Investoren würden schlichtweg keine argentinische oder brasilianische Anleihe in heimischer Währung akzeptieren, da sie den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen mißtrauen. Daher legen die Emittenten ihre Bonds in harter Währung auf und hoffen, daß ausländische Anleger die verbliebenen Risiken durch den relativ hohen Zinskupon ausreichend belohnt sehen.

Dazu zählt zunächst, wie bei allen Anleihen, das Zinsrisiko. Steigen die Zinsen am Kapitalmarkt, sinken die Kurse der Anleihen. Weit größer ist jedoch das Bonitätsrisiko. Gerade bei Junk-bonds besteht immer die Gefahr, daß der Schuldner im schlimmsten Fall zahlungsunfähig wird. Bernd Ullrich von der Commerzbank in Frankfurt resümiert: "Wir sprechen unsere Kunden erst gar nicht darauf an. Wenn die Initiative aber von ihm ausgeht, weisen wir ausführlich auf die Gefahren hin - und lassen uns diese Erklärung auch schriftlich bestätigen."

Die Absicherungsstrategie der Banken zeigt, daß Warnungen vor sogenannten Junk-bonds ernst zu nehmen sind: Ein Blick auf die Ratings dieser Papiere verdeutlicht, was dahintersteckt: So wie Hotels und Restaurants von Gourmet-Führern Sterne verliehen bekommen, so bewerten Rating-Agenturen die Zahlungsunfähigkeit eines Anleihe-Emittenten. Die Skala reicht von AAA (bestens) bis D (Zins- und Tilgungsleistungen sind eingestellt).

Bonds aus Venezuela zum Beispiel bekommen von der renommierten US-Agentur Moody's das Rating Ba3. Damit gilt die Anlage als "überwiegend spekulativ" - und der Staat am Karibischen Meer muß schon Kupons von 10,25 Prozent bieten, um Investoren anzuziehen. Ähnliches gilt für Anleihen aus Mexiko, Brasilien und Argentinien. Zur Ehrenrettung der Südamerikaner sei jedoch erwähnt, daß bislang alle staatlichen Emittenten ihre Anleihen bedient haben. Trotz dieser beachtlichen Bilanz genießt die Wirtschafts- und Finanzpolitik dieser Staaten aber immer noch kein großes Vertrauen. Dagegen stuft Moody's die Weltbank als erstklassigen Schuldner ein. Die Bank in Washington kann ihre DM-Auslandsanleihen deshalb zu dem vergleichsweise niedrigen Zins von 6,25 Prozent am Kapitalmarkt plazieren.