Bis 1945 kannte ihn in Deutschland jedes Kind: den alten Generalfeldmarschall August von Mackensen, einen ehedem königlich-preußischen Leibhusaren, der noch mit neunzig Jahren täglich seinem Schimmel die Sporen gab. Fünfzig Jahre nach seinem Tod hat ihn nun der junge Historiker Theo Schwarzmüller der Vergessenheit entrissen: mit einer wissenschaftlich vorbildlichen und ungemein lesbaren Biographie. Mit Bedacht schrieb Schwarzmüller ein politisches Portrait, denn dieser Kriegsheld, der in der Gnadensonne des Kaisers eine Traumkarriere machte, die Weimarer Republik zerstören half und dann Hitler bis zuletzt unschätzbare Dienste erwies, zählt noch heute zu den Traditionsfiguren der Bundeswehr.

Der Biograph, mit dem Glück des Tüchtigen, hat einen unvergleichlichen Quellenschatz gehoben: die Korrespondenz Mackensens mit seinem ältesten Sohn (1938 bis 1943 Hitlers Botschafter in Rom) von der Jahrhundertwende bis 1945 (über 4000 Briefe), dazu 2000 Briefe des Feldmarschalls an seine Frau von 1908 bis 1919. Vollständig ausgewertet hat der Autor den im Freiburger Militärarchiv verwahrten schriftlichen Nachlaß Mackensens, vier Regalmeter, darunter die Taschenkalender von 1865 bis 1942.

August von Mackensen, Sohn eines stockkonservativen Gutsverwalters im preußischen Sachsen, gehörte jener aufstrebenden, kleinen bürgerlichen Schicht an, die sich am ostelbischen Junkertum ausrichtete. Die Erziehung in Elternhaus und Schule war spartanisch, körperliche Züchtigung galt als normal, Gefühle wurden unterdrückt. Sein kindliches Gottvertrauen gab ihm, wie bald die Schnürbrust des Husaren, Halt und Haltung. Den Herzenswunsch ("Soldat aus Lust mit Leib und Leben") erfüllte sich der junge Mann als Einjährig-Freiwilliger beim 2. Leibhusaren-Regiment, das Friedrich der Große gegründet hatte.

Nun trug auch er die schmucke Husarenuniform: die schwarze Attila mit der weißen Verschnürung und die Pelzmütze mit dem Totenkopf. Schwarz und Totenkopf - das waren auch die Symbole der SS. Der Feldmarschall der alten Armee wollte mit Himmlers schwarzen Gesellen zwar nichts zu schaffen haben, doch hat es ihn nicht gestört, daß sein Diplomatensohn SS-Gruppenführer wurde und sein zweiter Sohn, der es bis zum Generaloberst brachte, guter Kamerad der Waffen-SS war.

Zum Glücksfall für August Mackensen wurde der deutsch-französische Krieg von 1870/71. Die tollkühnen Patrouillen des Leibhusaren wurden mit dem Leutnantspatent und dem Eisernen Kreuz belohnt. Darauf hat er, gegen väterlichen Willen, sein Landwirtschaftsstudium an den Nagel gehängt. Der Seiteneinstieg ins Offizierskorps war Bürgerlichen inzwischen erleichtert worden, weil der Adel den Nachwuchsbedarf des wachsenden Heeres nicht mehr decken konnte.

Kaum dreißig, gelangt Mackensen, ohne je die Kriegsakademie besucht zu haben, in den Großen Generalstab des alten Moltke, der ihn als Militärschriftsteller schätzt; gut zehn Jahre später wird er Adjutant von Moltkes Nachfolger Graf Schlieffen. Der um neun Jahre jüngere Kaiser Wilhelm II. wird auf den schneidigen, schönen Offizier aufmerksam und ernennt ihn zu seinem ersten bürgerlichen Flügeladjutanten, den er mit fünfzig in den Adelsstand erhebt. Als kommandierender General des XVII., des westpreußischen Armeekorps in Danzig wird er militärischer Erzieher des Kronprinzen Wilhelm.

Förderlich waren ihm bei seinem Aufstieg die eingebimsten Sekundärtugenden Fleiß, Disziplin, Strebsamkeit, dazu ein verfeinerter Gehorsamsbegriff, mit dem er sich seinen Vorgesetzten unentbehrlich machte - "brauchbar" ist der Grundtenor ihrer Bewertungen. Die Anpassung ging so weit, daß er seinen Schnurrbart wie Wilhelm II. zwirbelte. Bei Hofe bestach er durch vollendete Formen, Eleganz und Takt. Er lernte zu schweigen, wo er nicht ja sagen konnte. Ihm habe die innere Freiheit gefehlt, konstatierte General von Seeckt.