Daß der Bundesnachrichtendienst sich selbst ins Gerede bringt - mit Plutonium, Waffenschmuggel, Kokain oder Personalquerelen bis zum Rücktritt des Präsidenten Konrad Porzner -, ist schon schlimm genug. Deshalb sollten die Bonner BND-Kontrolleure die Porzner-Nachfolge nicht auch noch zum parteipolitischen Gezänk werden lassen. Geheimdienstpersonalia sind delikat. Von persönlichen Neigungen dürfen sie nicht abhängig gemacht, sondern müssen mit Sorgfalt bedacht und möglichst einvernehmlich entschieden werden.

Helmut Kohl hat fürs erste alle Spekulationen beendet: Bis Ostern bleibe alles offen. Selbstverständlich werde man mit der Opposition über die BND-Besetzung sprechen. Nebenbei ließ Kohl durchblicken, daß der SPD-Bundestagsabgeordnete Wilfried Penner nicht sein Leib- und Magenkandidat sei. Ob der vom Kanzleramt ins Spiel gebrachte Gerhard Güllich, seit 1994 kommissarischer Vize des BND, noch Chancen hat, ist fraglich. Er gehört der SPD an, die zwar den Zuschlag möchte, offenbar aber nicht diesen "roten General". Ob die Beförderung des bisher zweiten Mannes zum ersten der richtige Neuanfang für den BND ist, darf man bezweifeln. Ein qualifizierter Außenseiter, der den Dienst behutsam in ruhiges Fahrwasser manövriert, wäre jetzt eher angemessen. Und dann steht da noch der 24. März im Wahl-Kalender. Vielleicht bekommt Klaus Kinkel ja danach wieder Lust auf Pullach. Er hat's doch schon einmal gepackt.