Klar, wir sind beeindruckt und stellen die Hoffnung, unsere eigene "Toy Story" auf dem PC zu realisieren, erst einmal hintan. Es ist aber nur nebenbei das Ziel des Films, seine technische Überlegenheit auszustellen. Die Faszination besteht vor allem in der Botschaft, die er überbringt: Computeranimation ist weder kalt noch analytisch, sie steht, ganz gemäß der Disney-Tradition, im Dienst der Beseelung (und ein wenig der Pädagogisierung) von Zeichenwelten.

Dazu galt es zunächst einmal, die richtige Geschichte zu finden, eine warmherzige, märchenhafte Geschichte, die aber zumindest ein wenig auch die Vorbehalte der Mainstream-Kultur gegenüber dem Leben in der Multimediawelt reflektiert.

Sie beginnt im Kinderzimmer eines Sechsjährigen. Die Spielfiguren dort erwachen stets zum Leben, wenn keine Menschen sie sehen können. So weit, so bekannt aus vielerlei Märchen. Diese Spielsachen unterscheiden sich von ihren literarischen und filmischen Vorgängern aber in einem wesentlichen Punkt: Sie wissen, daß sie Spielsachen sind, und dieses Wissen bestimmt die Moral ihres Handelns, vom grantigen "Mr. Naseweis" bis hin zu dem von neurotischen Ängsten geplagten Plastikdinosaurier.

Nun aber erhält der Junge zum Geburtstag neues Spielzeug, und die alten Figuren, allen voran sein derzeitiger Favorit, der Gummicowboy Woody, fürchten die Konkurrenz. In der Tat droht der Weltraumfahrer Buzz Lightyear das Kinderzimmer zu erobern, unterstützt durch Fernsehspots, komplett mit Karatearm, Laserkanone und intergalaktischem Sprechfunk.

Buzz will nur nicht wahrhaben, daß er ein Spielzeug ist. Er hält sich für einen wirklichen Weltraumfahrer, der in einer sonderbaren Welt gelandet ist. Daraus erwächst Gefahr und höchste Not. Bald aber werden die Konkurrenten Woody und Buzz zu Freunden, die nun, wie es sich gehört, allerlei Abenteuer zu bestehen haben.

Der Film lebt nicht nur von der Sehnsucht nach der symbiotischen Freude am beseelten Spielzeug, sondern auch davon, wie immer wieder die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit überschritten und gleich darauf restauriert werden. Ein postmodernes Märchen voller Spiegelungen zwischen Realität und Warentraum, und von einer beinahe überbordenden Emotionalität. Das verdankt sich vor allem seiner Machart.

Bei der Produktion griff man immer wieder auf die vom Realfilm und von der optischen Animation bekannten Verfahren zurück; "Toy Story" wirkt, als sei er in einem nach materiellen Gesetzen funktionierenden Studio entstanden.