Carl von Clausewitz, dessen Buch über den Krieg wenig gelesen wird, nannte diesen "ein wahres Chamäleon". Das trifft genauer als seine Definition des Krieges als "bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln". Mit dem Adjektiv "bloß" hat Clausewitz selbst der Versimpelung Vorschub geleistet. Zum Chamäleon wird der Krieg nicht nur, aber auch durch die Berichterstattung über ihn. Das Buch von Mira Beham geht dem Verhältnis von Krieg und Kriegsberichterstattung seit dem Ersten Weltkrieg nach. Das Spannungsverhältnis bestand, seit es Kriege gibt, aber die Verdichtung und Beschleunigung der Kommunikationsmittel hat die Kriegsberichterstattung zu einer Waffe gemacht. Immer mehr wurde sie zu einem Medium dessen, was die Zeitgenossen (und Wähler) über einen Krieg glauben sollten. Gleichzeitig gerieten Kriegsberichte zu einem Werkzeug zur Unterdrückung dessen, was jene, über deren Köpfe hinweg entschieden wird, über ihn wissen möchten, sogar wissen müßten - zum Beispiel als Souverän in Demokratien.

Rudolf Walther