Das heiße Thema Studiengebühren hat ungewohnte Bündnispartner zusammengebracht. Einmütig sprechen sich sowohl die Studenten, repräsentiert im "freien" zusammenschluß von studentInnenschaften (fzs), als auch die Professoren im Deutschen Hochschulverband dagegen aus - zum großen Teil sogar mit den gleichen Argumenten. So kritisiert Brigitte Kaute vom fzs: "Schlagworte wie Nulltarifmentalität und wohlstandsmentales Anspruchsdenken suggerieren im Rahmen neoliberalen Denkens, daß ein gebührenfreies Studium gewissermaßen parasitär sei. Formuliertes Ziel der angestrebten Hochschulreform ist es, die deutschen Universitäten in ein auf den marktkonformen Wettbewerb ausgerichtetes System einzubinden. Studiengebühren liegen auf dem Wege dorthin: Hochschulbildung wird zu einer Ware umfunktioniert, Studierende werden zu KonsumentInnen und die Universitäten selbst zu einem Dienstleistungsbetrieb. Zu zahlende Studiengebühren steuern, wie jede Investition, die Aufmerksamkeit stärker auf ein meßbares und - im Wortsinne - sich auszahlendes output des Studiums. Um alle gesellschaftlichen Bereiche markteffizienter zu gestalten, bedürfen die Standortapostel einer Ideologie, die einerseits das Ziel der Wettbewerbspolitik benennt: Sicherung des bedrohten hiesigen Wohlstands(standortes). Die unausgesprochene Prämisse lautet: Markt statt Mensch." Soweit die Studentenpolitikerin Brigitte Kaute.

Sinngemäß ließ sich so jetzt auch Hartmut Schiedermair, der Präsident des Hochschulverbandes, vernehmen. Bei der Jahresversammlung der Berufsorganisation von über 16 000 Universitätsprofessoren in Jena meinte der Kölner Jurist in der vergangenen Woche gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, in der Universität gehe es "nicht um Angebot und Nachfrage einer Ware". Die Universitäten hätten daher auch keinen Preis, den man auf die Studenten als zahlende Kunden abwälzen könne. Universitäten dienten dem Gemeinwohl.

Daher liege die Verpflichtung für die Unterhaltung und Finanzierung der Universitäten beim Staat. Mehreinnahmen würden nach Ansicht Schiedermairs für die Hochschulen ohnehin nicht erzielt, da ihnen die Einnahmen aus Studiengebühren von den Ländern bei der Einführung von Globalhaushalten wieder weggenommen würden.

In einem Punkt allerdings dürfte es zwischen Professoren und Studenten keinerlei Konsens geben: Schiedermair forderte in Jena auch "Mißbrauchsgebühren" für Langzeitstudenten. Wer sich länger als zwanzig Semester im "Lebensraum Universität" aufhalte, solle zahlen, meinte er und wurde recht deutlich: "Dann aber auch nach amerikanischem Muster und mit 5000 Mark pro Semester, um bei den Studenten wirkliches Kostenbewußtsein zu schaffen."

Der Präsident nutzte die Gelegenheit und verband seine Kritik an geplanten Studiengebühren mit einer Warnung vor dem "leichtfertigen Umgang mit dem Begriff Autonomie". Hier sieht er "eine unheilvolle Tendenz, unter dem Ruf nach mehr Autonomie und Deregulierung im Hochschulbereich alle unangenehmen und lästigen Entscheidungen den Universitäten zu überantworten".