Die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten hat die deutschen Unternehmen vom Spitzenplatz auf dem Weltmarkt für Umwelttechnik verdrängt. Wie konnte das passieren? KAISER: Der wichtigste Grund ist, daß die Regierung der Vereinigten Staaten ihrer Industrie Fördermittel in Milliardenhöhe zur Verfügung stellt - in Form von zweck- und liefergebundenen Krediten an verschiedene Länder. Diese Gelder fehlen der deutschen Industrie.

Plädieren Sie etwa dafür, daß die deutschen Politiker ein neues Subventionsfaß aufmachen?

KAISER: Wie keine andere Industrie ist die Umwelttechnik von politischen Entscheidungen abhängig. Das bedeutet aber auch, daß die Umwelttechnikindustrie die Begleitung und die Vorarbeit der Politik benötigt. Ich plädiere nicht für Subventionen, aber die deutsche Regierung muß Kredite zur Verfügung stellen, die sie nach zehn, zwanzig Jahren wieder zurückbekommt.

Also liegt der Rückfall der deutschen Anbieter nicht daran, daß sie technologisch nachgelassen haben?

KAISER: Ganz und gar nicht. Wir sind sogar insgesamt noch führend. Aber nur neun Prozent der Umwelttechnik-Unternehmen exportieren ihre Produkte überhaupt. Das ist im Vergleich zu anderen Branchen viel zuwenig. Außerdem sind die deutschen Unternehmen viel zu sehr spezialisiert, während Gesamtlösungen wie Klär- oder Trinkwasseranlagen insbesondere von amerikanischen, japanischen und australischen Unternehmen akquiriert werden. Genau solche Aufträge ziehen aber Folgeaufträge nach sich, garantieren also über Jahre hinaus Investitionen.

Deswegen ist es fatal, wenn Industrie und Politik sagen: Wir spezialisieren uns auf bestimmte High-Tech-Bereiche der Umwelttechnik.

Daß die Politiker angesichts der leeren öffentlichen Kassen nicht neue Wohltaten verteilen wollen, ist doch verständlich, oder?