Willy-Brandt-Haus" steht schon an der Fassade der künftigen sozialdemokratischen Parteizentrale am Mehringdamm in Berlin. Mehr als an den Riesenbaustellen merkt man daran, daß umgezogen werden soll. Die SPD hat schon vor-gebaut. Freilich, im Augenblick gibt der Name des großen Vorsitzenden und Kanzlers eher Anlaß zu wehmütiger Erinnerung. Mit einem Regierungschef ihrer Couleur in die alte Hauptstadt um die Jahrhundertwende einzuziehen, darauf kann die Partei wohl nicht mehr rechnen. Die jüngsten Wahlergebnisse sind zu schlecht. Schlimmer noch: Die ganz Schlauen schließen aus Helmut Kohls Festhalten an seinem Generalsekretär Peter Hintze schon, daß der große Zampano auch 1998 noch einmal antreten will. Dann wird die SPD wohl ganz unauffällig am Mehringdamm Quartier nehmen müssen.

Wenn es denn überhaupt zum Umzug kommt. Je näher das Plandatum rückt, desto stärker wird in Bonn der versteckte Widerstand. Das ruppige Berlin schreckt. Warum das so ist, wird wiederum nach den jüngsten Wahlen deutlich. Haben sie wirklich stattgefunden? In Bonn ist davon wenig zu spüren. Friedlich radelten die Presseleute am Montag in der ersten Frühlingssonne von einem Parteihauptquartier zum anderen, um Triumph oder Gesundbeterei routiniert zu registrieren. Keine Rede davon, daß die Wahlen auf wenig aufregende, aber doch eindeutige Weise festgelegt haben, mit wem es weitergehen soll. Irgendwie wird in Bonn alles kuschelig. Und ein solches Idyll aufzugeben fällt natürlich schwer.

Dazu paßt, daß sich die Bundesregierung, nach dem bereits akquirierten Internationalen Fledermaus-Sekretariat, nun um die Einpflanzung des Internationalen Baumwollberatungsausschusses in Bonn bemüht, als Kompensation für den Wegzug. Oder daß es, fünf Jahre nach dem Umzugsbeschluß des Parlaments, wahrhaftig um eine Tourismus-Gesellschaft für Bonn geht, weil der Stadt dämmert, daß in ein Bonn ohne Politik und Prominenz nicht mehr so viele Touristen kommen werden. Manchmal sind es dieser Mehltau, das träge Idyll, die richtig nervös machen können.