ZEIT: Für den Bundeskanzler ist die Verwirklichung der Währungsunion eine Frage von Krieg und Frieden. Sie warnen dagegen: Die Währungsunion werde zu einem Sprengsatz für die Europäische Union. Wieso? Ohr: Eine gemeinsame Währung kann keine Fortschritte in der politischen Integration erzwingen. Dies zeigen die gescheiterten Versuche von Währungsunionen in der europäischen Geschichte. Statt dessen kann sie aber so viele ökonomische Verwerfungen hervorrufen, daß auch der bisherige, sehr weitreichende Stand der Integration in Europa wieder gefährdet würde. Eine Währungsunion ist nur dann dauerhaft erfolgreich, wenn vorher oder gleichzeitig eine politische Union geschaffen wird.

ZEIT: Was gehört für Sie zu einer politischen Union, mit der man den Sprung in die Währungsunion wagen könnte?

Ohr: Das müßte ein bundesstaatähnliches Gebilde sein.

ZEIT: Ein europäischer Bundesstaat?

Ohr: Eine Art Vereinigte Staaten von Europa, ähnlich wie die USA. Ein lockerer Staatenbund reicht nicht aus.

ZEIT: Das heißt aber doch letztendlich, daß Sie die Währungsunion überhaupt nicht wollen. Nicht einmal die integrationsfreudige Bundesregierung strebt einen europäischen Bundesstaat mit weitgehender politischer Zentralisierung in Brüssel an.

Ohr: Eine Währungsunion nach Maßgabe des Maastrichter Vertrags erscheint mir tatsächlich ungeeignet. Solange die Bürger und die Politiker keine echte politische Integration wollen, sollte man auf die Währungsunion verzichten. Wenn dazu aber irgendwann die Bereitschaft da ist, kann man sie verwirklichen.