Deutschlands Ärzte waren schon immer findig, den eigenen Vorteil zu wahren, derweil andere den Gürtel enger schnallen mußten. Offenbar haben sie nun einen bequemen Weg gefunden, etwaige Einkommenseinbußen bei der Behandlung von Kassenpatienten auszugleichen: Sie knöpfen einfach den Privatversicherten mehr Geld als bisher ab. Nachdem der einfache Honorar-Satz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) schon lange ausgekehrt und vom 1,8fachen abgelöst wurde, ist jetzt der 2,3fache Satz die Regel. Manche steuern sogar schon auf den 3,5fachen Satz zu, der eigentlich Ausnahmen vorbehalten ist. Die Folge: Die Aufwendungen der Privatversicherungen (PKV) für die ambulante Behandlung steigen überproportional. Es wird Zeit, daß die Branche diesem Treiben im Interesse ihrer Kundschaft Einhalt gebietet. Wenn die Privatpatienten nämlich nach Belieben abgezockt werden, finanziert die PKV indirekt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) mit. Theoretisch könnte sich diese also auf Kosten der Privaten sanieren - die Ärzte müssen nur ihre Privathonorare in dem Maße erhöhen, in dem die GKV ihre Sparschraube anzieht. Diese Umverteilung nennt man gemeinhin Schiebung.