Wieder einmal starren die internationalen Finanzmanager auf Japan, und nicht nur die Ängstlichen fürchten den Zusammenbruch eines Finanzsystems, hinter dem sich immer noch der größte Kreditgeber der Welt verbirgt. Schrecken verbreitet, daß die 21 japanischen Großbanken (im Geschäftsjahr bis zum 31. März) zusammen Verluste von mehr als 30 Milliarden Mark melden werden. Hauptgrund dafür sind Abschreibungen fauler Kredite aus den Spekulationsjahren. Insofern wäre den roten Zahlen der Banken noch Hoffnung auf Besserung abzugewinnen - wenn die Immobilien im Werte nicht weiter so fallen würden wie im vergangenen Jahr. Nach jüngsten Regierungsangaben sackten die Preise für kommerzielle Grundstücke 1995 in Tokio um 25 Prozent. Stellt man in Rechnung, daß zwei Drittel aller japanischen Bankkredite durch Immobilien gedeckt werden, ergibt sich ein Horrorszenario: Weiterhin fallende Preise könnten alle Mühen der Banken, sich von der Kreditlast aus der Spekulationsphase zu befreien, aussichtslos erscheinen lassen. Die Geldhäuser müßten dann noch höhere Verluste melden.

Doch es gibt auch ermutigende Daten: Die Brutto-Gewinnspanne allein der 10 City-Banken hat sich von rund 20 Milliarden Mark 1991 auf 45 Milliarden Mark im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. In der gleichen Zeit legten diese Banken auch beim Eigenkapital leicht zu. Es war wohl kein Zufall, daß der Tokioter Nikkei-Aktienindex zum Wochenbeginn vor allem deshalb stieg, weil ausländische Investoren japanische Bankaktien kauften. Wußten es die Anleger in Tokio also besser als die ängstlichen Beobachter in Übersee?

Eine eindeutige Antwort wird es wohl erst geben, wenn der Preisverfall für Immobilien gestoppt ist. Mittlerweile ist das Niveau von 1985, als die Spekulationsphase begann, wieder erreicht. Für Spitzenobjekte in Tokio ist allerdings zur gleichen Zeit die Rendite von knapp zwei Prozent auf fast sechs Prozent gestiegen. Eine Staatsanleihe bietet gerade einmal drei Prozent. Jesper Koll, Chefökonom der US-Investmentbank J.P. Morgan in Tokio, empfiehlt deshalb japanische Immobilien. Eine von Übersee-Chinesen geleitete Investorengruppe hat schon zugeschlagen und sich vor knapp einem Monat ein Luxusobjekt inmitten des Luxusviertels Ginza geschnappt. Als ausländische Anleger vor zwei Jahren wieder in japanische Aktien investierten, war der Börsensturz in Tokio gestoppt. Gilt das gleiche heute für den Immobilienmarkt? Japans Finanzkrise wäre endlich kalkulierbar.