Die Idee kam James William Fulbright auf einer Cocktailparty in Washington. Wieder einmal kritisierte der Senator aus Arkansas, daß die meisten amerikanischen Politiker auf die USA fixiert, engstirnig und provinziell seien. Fulbright zweifelte daran, daß sie wirklich den außenpolitischen Kurs einer künftigen Weltmacht bestimmen könnten, war sein eigenes Credo doch Weltoffenheit und Völkerverständigung. Er selbst hatte als Rhodes-Stipendiat in Oxford studiert und anschließend Europa bereist. Warum sollte man nicht genauso anderen Amerikanern die Welt und der Welt Amerika zeigen?

So schilderte Fulbright 1988 seinem Biographen Randall Woods die Geburtsstunde des Austauschprogramms, das seinen Namen trägt und nunmehr seit fünfzig Jahren besteht. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollte Fulbright die überschüssigen Kriegsgüter der USA verkaufen und aus dem Erlös einen Studentenaustausch zwischen Amerika und dem Rest der Welt finanzieren - Schwerter zu Pflugscharen.

Das biblische Motto ließ sich umsetzen, als der Fulbright Act ohne großes Aufsehen Senat und Repräsentantenhaus passierte; im August 1946 wurde er Gesetz. Seitdem sind mehr als 200 000 Studenten, Wissenschaftler und Lehrer als "Fulbrighter" ins Ausland gegangen. Mittlerweile sind 130 Länder an dem Programm beteiligt, Deutschland ist seit 1952 dabei. Das deutsch-amerikanische Programm hat sich seitdem zum weltweit größten entwickelt: Mehr als 25 000 Deutsche und Amerikaner sind dem kosmopolitischen Geist Fulbrights und dem Geld seiner Institution ins jeweilige Partnerland gefolgt.

Fünf Bewerber konkurrieren im Schnitt um eines der insgesamt 700 Stipendien, die jährlich in den USA und in Deutschland vergeben werden. "Wir wollen Fulbright-Botschafter finden", sagt Barbara Ischinger, geschäftsführende Direktorin der deutschen Fulbright-Kommission. "Wir suchen nach Studenten, die ihr Land im Ausland vertreten können." Im Vergleich zur Auswahl bei anderen Austauschprogrammen stünden neben akademischen Qualitäten vor allem die Fähigkeiten zur Völkerverständigung im Fulbrightschen Sinn im Vordergrund.

"Ich habe Stunden damit zugebracht, zu erzählen, wie die USA wirklich sind", erzählt David Engstrom, der als amerikanischer Stipendiat an Fulbrights Alma mater Oxford studiert. "In Europa werden oft nur die verrückten Seiten Amerikas gesehen. Ich versuche das etwas geradezurücken und die kulturellen Unterschiede zu überbrücken." Ähnlich ging es auch Wiltrud Hammelstein, als sie vor fast zehn Jahren als Fulbrighterin in Illinois war. "Was ich dort über Deutschland gesagt habe, stand manchmal hinterher in der Zeitung. Da fühlt man sich schon ein bißchen als ambassador." Spätestens bei ihrer Rückkehr werden die Fulbright-Botschafter zu Doppelagenten der Völkerverständigung: Ihr Visum verpflichtet sie, nach dem USA-Aufenthalt für mindestens zwei Jahre nach Deutschland zurückzukehren - auch, um aus der Neuen Welt zu berichten.

Der Zusammenhalt zwischen den "Fullies", wie sich die Ehemaligen liebevoll nennen, ist groß. "Von den Studienrichtungen her sind wir zwar eine heterogene Gruppe, aber irgendwie sind wir uns doch alle sehr ähnlich", erzählt Wiltrud Hammelstein, die Vorsitzende des 900 Mitglieder starken Fulbright Alumni e.V. Die Ehemaligen treffen sich regelmäßig. Auch Ehen sollen sich schon unter den Fullies angebahnt haben.

Dabei ist die weltweite Liste berühmter Fulbrighter lang und enthält Politiker genauso wie Schriftsteller und Nobelpreisträger. Ein Hauch des Elitären umgibt denn auch das Fulbright-Stipendium, und Amerikaner zeigen oft noch Ehrfurcht, wenn sich ein Fulbrighter zu erkennen gibt. In Deutschland ist das Programm, obwohl immer noch überaus begehrt und prestigeträchtig, mittlerweile eines von vielen geworden.