Umweltfreundlich soll es sein, geeignet für den täglichen Stadtverkehr, platzsparend und sicher, Schutz gegen die Unbilden des Wetters bieten und zu alledem auch noch bezahlbar - so müßte die vielgesuchte Alternative zum Automobil aussehen. Kann es so ein Wundergefährt überhaupt geben? Tüftler und Erfinder suchen schon lange nach einem einfachen Vehikel, das im Stadtverkehr ohne Krach und Abgase daherkommt. Schließlich finden nach einer Statistik des ADAC 30 Prozent aller Fahrten im innerörtlichen Bereich statt - und dies bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von nur 18 bis 25 Kilometern pro Stunde.

Doch Elektrofahrzeuge herkömmlicher Bauart fristen bislang nur ein Nischendasein. Gerade 4547 Fahrzeuge werden in Deutschland von einem Elektromotor angetrieben, die Hälfte davon sind Pkw. Ganz neue Perspektiven sollen dagegen Gefährte bieten, die Muskelkraft und batteriegespeiste Elektromotoren kombinieren.

Das Twike, ein futuristisches Werk Schweizer Ingenieure, ist wohl die am weitesten entwickelte Spezies dieser Kategorie. Das elektrogetriebene Dreirad mit Tretmöglichkeit hat bereits Serienreife erlangt und kam kürzlich auf den Markt. Doch auch anderswo wird an solchen Zwittern zwischen Auto und Fahrrad gebastelt.

Die Studenten Frieder Herb und Nicolas Lewkowics gründeten an der TU Berlin die Projektwerkstatt "Elektromobile von Studenten und Lehrlingen". Zusammen mit einem Meister und weiteren Kommilitonen entwickelten sie in gut einem Jahr das I-Go (vom englischen I go), ein dreirädriges Liegefahrrad mit Karosserie und Elektrohilfsmotor. "Unser Fahrzeug soll dem entscheidungsschwachen Autofahrer eine Alternative zum herkömmlichen Pkw oder Fahrrad bieten", erklärt Frieder Herb, der bereits vor Jahren ein Elektrofahrrad namens Luna entwickelte.

Der Prototyp des I-Go ist freilich eher eine Realität gewordene Studie. Teilweise aus Fahrrad-Serienteilen gefertigt, sollte vor allem das Problem der Kurvenneigung gelöst werden. Wenn sich das Gefährt bei Höchstgeschwindigkeiten von 50 Kilometern pro Stunde sanft in die Kurve legt, kippen einfach beide Räder parallel zur Seite. Ein 500-Watt-Elektromotor, von Nickel-Cadmium-Akkus gespeist, sorgt für den Antrieb des 60-Kilo-Gefährtes über das Hinterrad. "Rein rechnerisch ergibt sich eine Reichweite von 50 Kilometern, die wir nach einer Ladezeit von etwa zwei Stunden erreicht haben", meint der angehende Physiker Herb. Noch fehlen die windschnittige Kunststoff-Karosserie und vor allem ein finanzstarker Produzent. Herb rechnet damit, daß das Fahrzeug in der Kleinserie runde 10 000 Mark kosten könnte.

Schon eher wie ein Auto sieht das Carbike aus, der Prototyp eines Unternehmens mit Sitz in Lindau am Bodensee. Drei Ingenieurbüros entwickelten ein (vierrädriges) Kurzstreckenfahrzeug, das frühestens Ende 1996 zu haben sein soll. Je nach Batterietyp und "Muskelanteil" werden eine Spitzengeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde und eine Reichweite von 15 bis 25 Kilometern angesteuert.

Technische Angaben werden noch sehr vage formuliert. "Wir wollen die Marktentwicklung bei den Batterien genau beobachten", meint Edgar Löhr, Geschäftsführer der Carbike GmbH und Co. KG. Ebenso fiktiv sind die Unterhalts- und Abschreibungskosten. In jedem Fall soll das zweisitzige Tretfahrzeug mit seinem Cabrioverdeck weniger als 10 000 Mark kosten. Zu schaffen ist das jedoch nur mit einer Stückzahl von mindestens 1000 Exemplaren pro Jahr.