Ferdinand Simoneit (Hrsg.):

49 Köpfe der deutschen Wirtschaft - Macher und Motive Schäffer-Pöschel Verlag, Stuttgart 1995; 356 Seiten, 54,- DM

Eine Portraitsammlung erfolgreicher Wirtschaftslenker zu veröffentlichen ist heutzutage nicht ohne Risiko. Schließlich wären vor nicht allzu langer Zeit auch ein Werner H. Dieter, ein Edzard Reuter oder gar ein Friedrich Hennemann aussichtsreiche Kandidaten für ein derartiges Werk gewesen. Dennoch hat Journalisten-Altmeister Ferdinand Simoneit 49 Absolventen der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten angespornt, ebenso viele Portraits von Unternehmern, Managern, Gewerkschaftern und Politikern zu verfassen.

Als Kriterien für die Auswahl galten, daß der "Kopf" ein Unternehmen oder Projekt mit einer "bedeutenden Idee und außerordentlichen Beharrlichkeit" vorantreibt, mit einem "persönlichen Kraftakt ein angeschlagenes Unternehmen zu retten versucht" oder aber im schlichtesten Falle ein Erbe "vorbildlich weiterführt".

Heraus kam eine wahrhaft illustre Schar. Dazu gehört etwa die Gestalt des ehemaligen Finanzbeamten Rolf Deyhle, der mittlerweile mit seinem die Republik umspannenden Netz von Musicaltheatern Millionen scheffelt, der ebenso umstrittene wie einflußreiche Medienmogul Leo Kirch, die öffentlichkeitsscheuen Aldi-Chefs Karl und Theo Albrecht, Adolf Merckle, der Mann aus der schwäbischen Provinz, der mit seinen preiswerten Generika die großen Pharmakonzerne nervt, aber auch der Ökopionier Claus Hipp (Babynahrung), Versich erungskonzern-Erbe Rolf Gerling, IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Modemacherin Jil Sander oder Greenpeace-Vorsteher Thilo Bode.

Zu erwarten, daß die jungen Wirtschaftsjournalisten dabei endlich die gut gehüteten Motive und inneren Antriebe eines Erwin Conradi (Metro), Theo Albrecht oder Leo Kirch aufdecken, wäre zuviel des Guten. Doch auch bei diesen wenig auskunftsfreudigen Machern wurde akribisch das verfügbare Material zusammengetragen. Daß alle 49 portraitierten Köpfe am Ende als erfolgreiche Macher in die Geschichte eingehen, muß sich ebenfalls noch zeigen. Zeitungsmacher Hans-Hermann Tiedje hat Tango jedenfalls in den Sand gesetzt. Und ob Ex-Ministerpräsident Lothar Späth seine mit reichlich Subventionen angeschobene Jenoptik tatsächlich zu einem lebensfähigen Unternehmen machen kann, ist bislang ebenso offen wie die Erfolgsbilanz eines Heinz Dürr, der es bei der AEG nicht lange genug aushielt und bei der Bundesbahn noch eine holprige Wegstrecke vor sich hat.

Dennoch bringt die Sammlung lesenswerten Stoff über Persönlichkeiten, deren Lebenswerk oder Engagement nähere Betrachtung verdient. So etwa die Schilderung Berthold Leibingers, der nicht nur ein Maschinenbauunternehmen an die Weltspitze führte, sondern auch in Verbänden und Politik wichtige Impulse geben konnte, oder das Portrait Eberhard Günthers, der zäh versucht, ein eigentlich schon abgeschriebenes Unternehmen (Foron) gegen den vereinten Widerstand der etablierten Konkurrenz durchzubringen.