Schwarzes Album: Dunkle, flächige Monochromie auf dem Cover. Nur ein paar Silberbuchstaben geben Titel und Interpretennamen - die nötigsten Eckdaten.

Aber "Blackness" wird hier nicht wie seinerzeit bei Prince lediglich versprochen, sondern zum Thema gemacht und künstlerisch umgesetzt. Schwarz als Symbol für einen existentiellen Endzustand, der keinerlei Ausweg und Ausflucht mehr zu ermöglichen scheint. "The same as always, pitch-black again."

Ein kleiner Song-Zyklus setzt das Thema Schwarz um. Seine drei Teile sind verstreut über die CD, eingebettet in ganz anders geartete Songs. "Blackness 1-3" bietet die nackte, pure, von keinem Musikinstrument geschützte und gestützte Stimme. Ein Sänger am Rande des Nervenzusammenbruchs, Schreie, als würde man einem Mann, der gerade gefoltert wird, ein Mikrophon vor den Mund halten. Eine bewu&szligte und gewollte Regression ins unmittelbar Kreatürliche.

"It has no form, it is no joy", hei&szligt es einmal an einer anderen Stelle der CD.

Keiji Haino ist der gro&szlige Enigmatiker unter Japans Musikextremisten, die in den vergangenen Jahren auch in Europa immer bekannter geworden sind: Alter und Gechlecht kaum bestimmbar, die schwarze Sonnenbrille wie ein Implantat im Gesicht festgewachsen. Eine fragile Erscheinung mit dandyhaften Zügen, der durchaus etwas Dämonisches anhaftet.

Mit seiner Gitarre-Ba&szlig-Schlagzeug-Combo Fushitsusha macht Keiji Haino Hochenergierock in der Tradition von Arto Lindsay und der No-New-York-Szene; als Solist wie auf "A Challenge to Fate" durchmi&szligt er ganz andere Territorien: Da geht es um die uralte Legende vom Mann mit Gitarre, die durch das Schattenwesen aus Japan ganz neue narrative Dimensionen erhält.

Zuallererst fällt dem Hörer beim intensiven Dialog von Stimme und Gitarre der Country-Blues ein. Und tatsächlich gibt es in der Kunst des Keiji Haino vage Referenzen zu den Verderbens- und Teufelsliedern schwarzer Männer im Amerika der zwanziger und drei&szligiger Jahre. Doch unter dem fremden Blick aus der Posthistorie verändert sich das Material und verwandelt sich in etwas ganz Eigenes, so nie Gehörtes.