Die Grünen sind nervös geworden. Optionen werden benannt - und wieder verworfen. Rot-Grün? Schwarz-Grün? Gleiche Distanz nach allen Seiten? Oder doch lieber die absolute Mehrheit? Das letzte war ein Scherz, von Parteisprecher Trittin, aber lachen will niemand.

Was ist los mit den Grünen? Stimmenzuwachs allerorten, in Schleswig-Holstein gelang der Sprung ins Parlament; demnächst folgen die Koalitionsverhandlungen.

Hätten die Grünen einen Schönredner vom Schlage eines Oskar Lafontaine an ihrer Spitze, hieße die Losung: Weiter so! Aber die Führung der Ökopartei ist realitätsbezogen - und erkennt: Man steht, trotz aller Wahlerfolge, im toten Winkel.

Alle Wege zur Macht sind verbaut. Das vielgepriesene Reformbündnis mit den Sozialdemokraten ist ohne Glanz und mobilisiert keine neuen Wähler mehr. Kein Wunder, daß sich der undogmatische Flügel von der "Gefangenschaft im rotgrünen Lager" (Krista Sager) abwenden will und die schwarzgrüne Alternative ins Spiel bringt. Aber die Chance, mit den Konservativen zu paktieren, ist heute geringer denn je. Mag es im vergangenen Jahr auch manche sachliche Annäherung gegeben haben, von der Sicherheitspolitik über die Europapolitik bis hin zur Ausländerpolitik (wo sich die Union bewegen wird), für weite Teile beider Parteien bleibt Schwarz-Grün ein Pakt mit dem Teufel - und ein unnötiger dazu. Warum sollte die Union den Partner wechseln, wo der alte gerade eindrucksvoll bestätigt wurde?

Die Lage scheint ausweglos, der Sitz in der Daueropposition schon aufgeklappt. Und selbst dort wird es ungemütlicher. Der Wahlerfolg der FDP traf die erfolgsverwöhnten Grünen ins Mark: Die neu justierten, stark verjüngten Liberalen sind im Begriff, den Grünen ihre Rolle als gesellschaftliche Vorhut abspenstig zu machen. Guido Westerwelle, das 33jährige Gesicht der Liberalen, hat Joschka Fischer, die 47jährige Gestalt der Grünen, in die Defensive getrieben. Als der alerte Generalsekretär kürzlich den reifen Fraktionschef als "zwei Zentner Fleisch gewordene Selbstzufriedenheit" bezeichnete, sah die Ökopartei zum ersten Mal alt aus.

Eigentlich wollten die Grünen die Liberalen beerben. In Wirklichkeit hat die FDP eine raffinierte Schenkung vorgenommen: Aufatmend befreite sie sich von der Last des Rechtsstaatsliberalismus und lebt nun unbeschwert weiter; sollen sich die Grünen damit rumschlagen.

Die Herzen, sagen sich die Westerwelles, gewinnt heutzutage nicht, wer griesgrämig den großen Lauschangriff kritisiert, sondern wer frohgemut die Zukunft gestaltet: den Umbau des Wohlfahrtsstaates.