Der prestigeträchtige deutsch-französische Zweikampf zwischen den Superzügen ICE und TGV wird auch in Zukunft noch viele Schlagzeilen liefern - aber nicht in der asiatisch-pazifischen Boomregion.

Das hat seine besondere Bewandtnis: In Taiwan und China, möglicherweise auch in Malaysia, geht es um die nächsten Projekte für den Hochgeschwindigkeitsverkehr weltweit. Und dabei wollen sich der Münchner Elektrokonzern Siemens als ICE-Konsortialführer und TGV-Hersteller GEC Alsthom nicht wieder gegeneinander ausspielen lassen - wie das bisher bei solchen Ausschreibungen üblich war. In der vergangenen Woche schlossen die Konkurrenten deshalb ein Zweckbündnis: Außerhalb Europas und Nordamerikas wollen sie ihre mehr als 300 Stundenkilometer schnellen Züge ab sofort nur noch gemeinsam vermarkten.

Vorteile bringt die Allianz beiden Partnern; vor allem machen sie sich im fernöstlichen Wachstumsmarkt nun nicht mehr gegenseitig die Preise kaputt. Bittere Erfahrungen in dieser Hinsicht mußten Siemens und GEC Alsthom vor drei Jahren in Südkorea sammeln, als die Franzosen nach langem Hin und Her den Zuschlag für das 4-Milliarden-Mark-Projekt erhielten. Allerdings mußten sie dabei auf jegliche Gewinnaussichten verzichten. Die ungewöhnliche Härte des Konkurrenzkampfes wurde auch daran deutlich, daß Siemens-Manager sich damals öffentlich über Abhörmanöver der Franzosen beschwerten und die im Gegenzug den Deutschen eine "Verleumdungskampagne" vorwarfen. Siemens ist in der weltweiten Wettfahrt der Eisenbahnsysteme bislang nur zweiter Sieger: Auf den wichtigen Märkten Europa und Nordamerika hat GEC Alsthom eindeutig die Nase vorn.

Obwohl sich Siemens um drei amerikanische Projekte bewarb, zuletzt um die Strecke Boston-New York-Washington, hatten die Deutschen in keinem Fall Erfolg gegen den TGV. Und in Europa ist dessen Siegeszug noch eindrucksvoller. Während der ICE gerade mal eine Auslandsstrecke nach Zürich befährt, rollt der französische Zug durch Spanien, Großbritannien und demnächst auch Belgien und die Niederlande.

Im Rahmen der paneuropäischen Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris-Brüssel-Köln-Amsterdam verkehrt der TGV sogar bald auch hierzulande; bestellt sind die Züge bei GEC Alsthom bereits. Unterschrieben wurden die Aufträge von den Chefs der drei beteiligten Staatsbahnen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Heinz Dürr.

Selbst die rein inländischen Strecken des deutschen Hochgeschwindigkeitsnetzes, bislang aus technischen Gründen wie beispielsweise der Stromversorgung für den ICE reserviert, könnten in nicht allzu ferner Zukunft zum TGV-Revier werden. Denn das Wettrennen der beiden Tempozüge geht in eine neue Runde.

Unter politischem Druck der EU-Kommission in Brüssel entwickeln Siemens und GEC Alsthom die nächste Generation ihrer Schienenrenner als Universalkönner: Ohne Einschränkungen werden sie auch auf den Gleisen des jeweils anderen Eisenbahnsystems verkehren können.