Die Dame hinter dem Schalter runzelt die Stirn und korrigiert sofort: "So, nach Mumbai wollen Sie." Aber dann bindet sie doch den altbekannten Anhänger "BOM" an den Koffer. "BOM" für Bombay.

Hatte ich nicht gerade gesagt, daß ich da hinwollte? Doch Bombay heißt nicht mehr Bombay, sondern seit neuestem Mumbai, und nun müßte eigentlich "MUM" an den Koffer. Aber "MUM" ist schon besetzt; das ist das Kürzel einer Stadt namens Mumias. Zu dumm.

Überhaupt gibt es jede Menge Schwierigkeiten mit der Umbenennung.

Noch nie hat schließlich eine Zwölf-Millionen-Metropole über Nacht einen anderen Namen bekommen. Die eigenen Zeitungen, die schreiben es ja inzwischen brav, und auch die Druckereien haben Hochkonjunktur: Alle brauchen schließlich neues Briefpapier. Aber die Ausländer wollen einfach nicht von der Vergangenheit lassen. "In allen internationalen Flugplänen steht immer noch Bombay", sagt die Dame hinter dem Schalter pikiert, "auch in den neuen."

Dabei haben die Hindustan-Tümler schon seit Gründung des Staates Mahrashtra dafür gekämpft, daß ihre Hauptstadt Bombay umbenannt wird, vierzig lange Jahre. Schließlich soll Bombay vom portugiesischen bom bay kommen, der schönen Bucht. Ganz sicher ist das zwar nicht, aber es klingt fremd. Also weg damit. Daß auch die Sache mit Mumbadevi, der Lokalgöttin, etwas im dunkeln liegt, ist in diesem Fall egal.

Seit die Hindu-Rechte in Bombay regiert, muß auf Teufel komm raus Indisches her.

Als nächstes geht es dem schönsten Gebäude der Stadt an den Namen, dem Hauptbahnhof, der seit über hundert Jahren Victoria Terminus heißt, eine gotisch-sarazenische Kathedrale mit Wasserspeiern und gemalten Fenstern. Bitte zum Chhatrapati Shivaji Terminus, muß ich demnächst dem Taxifahrer sagen, wenn ich zum Bahnhof will, oder vielleicht einfach CST? Schließlich heißt die Straße, die am Bahnhof langführt, ebenfalls nur karg Dr. D. N. Road. Wer will sich schon mit Dadabhoy Naoroji abquälen? Es kann auch sein, daß der Taxifahrer kein Wort versteht, wenn ich mich gerade mit M.