Das Beste an Simbabwe ist die Vitalität, der Optimismus und die Entschlossenheit der Menschen.

Doris Lessing Harare Robert Mugabe war Präsident, Robert Mugabe bleibt Präsident: Vor sechzehn Tagen fanden in Simbabwe Wahlen statt, aber es ist, als lägen sie schon sechzehn Jahre zurück. Sein schmales Arbeitskabinett wirkt wie die Schleusenkammer einer Zeitmaschine. Schon beim Eintritt überschreitet man einen Punkt, von dem aus vier Portraits des Präsidenten zu sehen sind. Die Wände sind kahl, die Vorhänge zugezogen, damit das Sonnenlicht nicht hereinfluten kann. Das Gespräch beginnt, die Zeitmaschine summt. Auf den Wortwolken des Präsidenten reist der Zuhörer in eine Epoche, in der es den Staat Simbabwe noch nicht gab.

Die letzten Tage der britischen Kolonie Rhodesien: Weiße Farmen brennen, schwarze Frauen und Kinder liegen massakriert im Busch.

Robert Mugabes Guerilla kämpft gegen die Truppen der weißen Siedler und ihre dunkelhäutigen Askaris. In den Depeschen nach Europa wird von wechselseitigen Greueltaten berichtet. Am Ende siegen die schwarzen Partisanen; 1980 hört das weiße Regime auf zu existieren.

"Ich sagte Ihnen schon, daß ich den bewaffneten Kampf, der das Volk befreite, angeführt habe. Und bis heute haben die Menschen meine Rolle nicht vergessen."

Robert Mugabe sitzt da wie sein eigenes Denkmal. "Wir sind immer noch die Helden des Befreiungskampfes." Er wiederholt den Satz wie den Refrain eines Rosenkranzgebetes. Mugabe - er wurde nach der Unabhängigkeit Premierminister und ist seit 1987 Präsident - erhielt in der Wahl vom 18. März 92,7 Prozent der gültigen Stimmen: ein Triumph, der sonst nur noch in Kuba oder Nordkorea gefeiert werden darf. Wer will da noch wissen, daß diesmal nur 31,8 Prozent der registrierten Wähler zur Urne gegangen sind? Wir sind die Helden. Die Alten vergessen das nie.

Die Jungen - 51 Prozent der 11,9 Millionen Simbabwer sind unter achtzehn - waren noch nicht geboren, als Mugabe im Busch kämpfte, und sie dürfen noch nicht wählen. Seine Vita kennen sie nur aus den Schulbüchern. 1924 wurde er in Kutama geboren, als Sohn eines Tagelöhners. Von linkskatholischen Jesuiten in Missionsschulen erzogen. Studium an der Universität Fort Hare, Südafrika. Von Marx' und Lenins Werken geprägt. Lehrer in Accra, der Hauptstadt des heutigen Ghana. Ab 1960 aktiver Widerstand in der Heimat.