Im Mai 1993 kürte die FDP Nis B. zum Schatzmeister im Bezirk Bergedorf.

Der 32jährige gelernte Kaufmann, seinen Parteifreunden aus Jahren gemeinsamer Arbeit bekannt, stürzte sich mit Engagement und guten Ideen in die Arbeit. Viel Geld hatte der Parteibezirk nicht. Die Haupteinnahmen bestanden aus den Zwangsspenden der Fraktionsmitglieder, doch alle waren gutbürgerlich bemüht, stets weniger auszugeben, als hereinkam.

Der Grund für diese Vorsicht: Sollte die FDP eines Tages nicht mehr in der Bürgerschaft und dem Bezirk vertreten sein, was zu befürchten stand, würde es noch weniger Zuwendungen geben. Daher hatte sich die kleine Partei entschlossen, einen Spargroschen für schlechte Zeiten anzulegen. Dieses Geld, immerhin 10 000 Mark, transferierte Nis B. bei Antritt seines Ehrenamtes auf ein Sparbuch, damit es der guten Sache Zinsen bringe. Für die laufenden Kosten wurde ein Girokonto eingerichtet; B. konnte über beides verfügen.

Indes, der Schatzmeister hatte "Drogenprobleme" und kam daher mit seinem eigentlich recht üppigen Gehalt nicht aus. Zu seinem Drogenkonsum verliert B. kein Wort zuviel; er fürchtet rechtliche Konsequenzen. Soviel steht fest: Immer wenn das eigene Konto leer gefegt war, lockte die Kontokarte für die FDP-Gelder. Im Laufe des Jahres schöpfte Nis B. den Überschuß auf dem Konto regelmäßig am Geldautomaten ab, auch von der eisernen Reserve auf dem Sparbuch blieb nichts übrig. Zunächst hoffte er noch, wie er behauptet, das Geld "irgendwie" zurückzuzahlen. Später versuchte B. nur so viel abzuheben, daß wenigstens die Parteirechnungen noch bezahlt werden konnten. Es kam, wie es kommen mußte - nach dem ständigen Aderlaß war die Kasse irgendwann leer. Ausgerechnet kurz vor einem Wahlkampf, im Sommer 1994. Nis B. hatte inzwischen über 25 000 Mark veruntreut, und im Parteibüro fielen immer mehr unbezahlte Rechnungen an. Als ihn Parteifreunde deswegen zur Rede stellten, gab B. alles zu wie auch heute im Amtsgericht Bergedorf.

Der gutaussehende Mann mit dunkelblondem Lockenkopf und edler Lederjacke ist zerknirscht. Nichts in seinem Leben würde er so sehr bereuen wie das, was er seinen Parteifreunden angetan hat, bricht es aus ihm hervor. Das sei ja kein anonymer Betrieb, alle würden sich kennen. Aus diesem Grund wird B. auch aus Bergedorf fortgezogen sein. Die gutbezahlte Arbeit bei einer Bank mußte er aufgeben. Ein Parteifreund mit "besten Kontakten" habe ihm gedroht, wenn er das fehlende Geld nicht innerhalb der nächsten drei Monate beibringe, werde er den Vorstand seines Arbeitgebers informieren. Da habe er lieber selbst gekündigt, erzählt B., der auch im Untergang noch seinen Prinzipien treu bleibt; Sozialhilfe hat der Liberale nicht in Anspruch genommen. Gehörte Nis B. einst zu den Besserverdienenden, so lebt der ehemalige Immobilienmakler nun von Gelegenheitsjobs und "familiären Zuwendungen". Trotzdem wolle er das Geld auf jeden Fall "irgendwann" zurückzahlen, verspricht er.

Nis B. erbittet eine Strafe unter einem Jahr, damit er weiterhin als Reservist der Bundeswehr dienen darf. Das sei sein einziger Halt in dieser Zeit und wegen der Entschädigungen bei Übungen ein willkommenes Zubrot. Dafür hat der Richter Verständnis: B.

wird zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt.