MAHLBERG. - Der Rinderwahnsinn hat eine der unwahrscheinlichsten Allianzen hervorgebracht, die denkbar waren: die Vegetarier und ich. Beide frohlocken wir über das Horrorszenario, das die Medien vor dem Verbraucher ausbreiten, daß es ihn vor Angst und Ekel schüttelt. Allerdings haben wir unterschiedliche Motive. Die Vegetarier hoffen auf neue Anhänger ihrer Lebensform; ich darauf, daß der Konsument endlich seine Illusionen aufgibt und sich klar macht, daß das, was er täglich ißt, ein ziemlicher Dreck ist.

Die zweite Erkenntnis, daß die Geschäftspraktiken um so skrupelloser sind, je größer der Umsatz, dürfte für viele nicht neu sein; zumindest hat man geahnt, daß von einer Milliarde an Dinge möglich sind, die, wenn sie sich in einer Größenordnung von hunderttausend Mark bewegten, kriminell genannt würden.

Ein Beispiel: Schnell und einstimmig haben die kontinentalen EU-Nationen den Import von britischem Rindfleisch verboten. Im Interesse der bedrohten Konsumenten, hieß es. Das hört er gern, der Konsument.

Trotzdem bleibt er mißtrauisch und ißt kein Rindfleisch mehr.

Und zwar auch kein französisches, kein deutsches und kein holländisches mehr. Das hatten die Regierungen natürlich nicht gewollt. Die französische und die deutsche Fleischindustrie erleiden hohe Verluste, und sofort beeilt sich Monsieur Chirac zu versichern, daß eine Verbindung zwischen dem Rinderwahn und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit überhaupt nicht bewiesen sei. Überhaupt sei das alles eher ein Fall von Medienwahn. Wahrscheinlich hat er sogar recht. Aber sicher kann er nicht sein.

Er will - alle wollen es - das Thema vom Tisch haben. Denn unter dem Stein, der da aufgehoben wurde, wimmelt es von ekelhaften Details, die man lieber im dunkeln gelassen hätte. Da stellt sich zum Entzücken unserer Damen heraus, daß in Lippenstiften und anderer Kosmetik Rinderaugen verarbeitet sind. Mütter nehmen erfreut zur Kenntnis, daß die Nahrung ihrer Babys so appetitliche Dinge wie Hirn und Bries enthält. Kaugummi und ice cream ebenfalls, wie unsere Teenager mit Befriedigung erfahren. Und die gesamtdeutschen Wurstesser wissen endlich, daß es ausgemergelte Milchkühe sind, die, zermahlen von Ohr bis Huf, ihren geliebten Würsten zur letzten Feinheit verhelfen.

Bei diesem Wissensstand denkt der Verbraucher auch darüber nach, womit denn wohl die Zuchtforellen und die Batteriehühner gefüttert werden. Und was in den Schweinen lauert, die bei deutschen Essern noch beliebter sind als Kühe. Von Hormonen hat er ja schon gehört.